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Welche Kund: innen sind ideal und was, wenn die Zusammenarbeit vor allem Energie kostet?

Macht das Tanzen Spaß oder tretet ihr euch auf die Füße? Wenn das Taktgefühl von Kund:innen nicht passt, kann die Freude in der Zusammenarbeit verloren gehen. Aber wie findet ihr heraus, welche Eigenschaften ideale Kund:innen mitbringen sollten? Und was macht ihr, wenn die Chemie nicht stimmt? Wir haben mit unseren Agency-Life-Teilnehmer:innen gesprochen. Hier erfahrt ihr, welche Kund:innen die besten sind, von welchen sich unsere Expert:innen trennen würden und wie das am besten geht.

Nervig, ich interpretiere jetzt einfach mal weiter, ohne zu wissen, von welchem Kunden du gesprochen hast, heißt ja ganz oft auch nicht wirtschaftlich. Die Kunden, die dich inhaltlich nerven und du davorstehst und sagst, was wollen die denn schon wieder?

Die Schwierigen, das sind die, die den Laden vorantreiben. Ein Nein für den Kunden ist ein doppeltes Ja fürs Team. Also irgendwann kann man dann auch echt mal sagen, jetzt ist gut, die Grenze war überschritten, tschüss. Und wir starten rein in Folge 4 von Agency Life Deutschland, dem Podcast mitten aus der Agenturszene mit spannenden Persönlichkeiten und Geschichten. Schön, dass ihr wieder mit am Start seid.

Bislang haben wir ja bereits auf die Themen Pitching, die Positionierung der eigenen Agentur und die darauf aufbauende Vermarktung geblickt. Und heute dreht sich alles um den idealen Kunden, aber auch die Frage, wann Aufträge abgesagt werden. Der ideale Kunde, das ist natürlich etwas provokant formuliert, denn ein 100 Prozent perfektes Match zwischen Agentur und Kunden bleibt meist eine Wunschvorstellung.

Auch wenn fachlich alles stimmt, spielen noch zig weitere Faktoren wie Persönlichkeit, Kommunikation, Erwartungshaltung und Co. eine Rolle. Ein heftiger Mix, den es also zu managen gilt. Unsere vier Experten von Freunde des Hauses, brinkertlück creatives, Claneo und Clue One sprechen mit Annalena genau über diese Herausforderung und geben zusätzlich Einblicke, wie sie mit schwierigen Situationen umgehen.

Viel Spaß!

Musik Habt ihr denn so ein Zielbild, so ein Idealbild, das ihr euch mal erarbeitet habt?

Also habt ihr mal, weiß ich nicht, Heiko, du nickst, habt ihr mal euch Gedanken gemacht, wie sieht unser idealer Kunde aus und gibt es da so eine Art Tanzkarte, Checkliste?

Ja, also es gibt sogar Wunschkunden, die wir uns aufgeschrieben haben. Also spezifische Marken?

Ja, tatsächlich. Also wir haben einen klaren Plan, mit wem wir gerne tanzen würden, weil wir ein gutes Gefühl dafür bekommen haben über die Jahre, mit wem wir gut tanzen können, tatsächlich. Und es gibt auch eine Liste, also am Anfang hat das geholfen aufzuschreiben, wen wollen wir nicht. So, und dann drehst du es um. Und diese Liste gibt es. Wer es wissen will, ruft mich an.

Ob er auf deiner Liste ist?

Ob er auf der Liste ist, genau. Ja, die gibt es und es gibt auch einen halbwegs guten Prozess tatsächlich, wie wir uns überlegen, wie wir an diese Kunden dann rankommen. Also relativ strukturiert. Matthäus, wir haben schon kennengelernt, dass du etwas weniger strukturiert vorgehst normalerweise. Habt ihr auch solche Listen?

Wir arbeiten wirklich dran. Wir haben einmal im Jahr immer Offsite mit dem ganzen Team und da kam auch der Wunsch, wirklich so einen Wunschkunden zu formen. Also dass wir so eine Scorecard erarbeiten. Erst gestern habe ich eine Umfrage intern gestartet. Was ist eigentlich der Kunde, der uns am meisten nervt?

Das finde ich auch ganz spannend. Von euren Bestandskunden?

Ich würde dich richtig gerne fragen, wer es ist, aber du würdest es wahrscheinlich nicht verraten. Nein, das würde ich nicht sagen. Bisher gibt es auch noch keine Auswertung, weil noch nicht alle teilgenommen haben. Freitag ist bei uns immer so Flexible Friday, da ist kaum jemand anzutreffen. Aber wir haben halt für uns gesehen, ein nerviger Kunde kostet einen Kollegen viel mehr Energie als jemand, mit dem man halt gerne tanzt,

mit dem man gerne Werte teilt, mit dem man gerne zusammenarbeitet und auch die Leidenschaft teilt. Deswegen haben wir auch für uns ganz klar gesehen, um weiter wachsen zu können, wir sind jetzt viereinhalb Jahre alt als Agentur, noch relativ jung würde ich behaupten,

aber wir sind jetzt halt auch in der Position, wo wir sagen können, wir können uns aussuchen, mit wem wir zusammenarbeiten wollen. Und die müssen halt eben auf allen Faktoren mit uns passen, weil es gibt natürlich auch große Marken, wo wir sagen, hey, eine tolle Marke, aber halt

wie die Marke mit Agenturen arbeitet, ist nicht so, wie wir gerne mit denen arbeiten würden. Ja, das heißt, wir haben damals auch Claneo gegründet mit dieser Idee, wir wollen halt eine neue Heimat schaffen für Personen und auch für Marken, für die wir uns begeistern können,

mit denen wir gerne eine Verbindung eingehen würden. Deswegen ist es noch ein Thema, woran wir arbeiten, sicherlich dann genauso strukturiert wie bei euch, weil es einfach sehr, sehr wichtig ist.

Und dann lieber sich auch von Kunden zu trennen oder Verträge nicht zu verlängern, wenn man einfach sieht, der kostet uns viel zu viel Energie. Das macht auch die Leute kaputt, ja. Habt ihr das schon mal gemacht? Also habt ihr euch schon mal von einem Kunden getrennt, weil ihr gesagt habt, passt nicht?

Wir haben dann nicht verlängert. Also wir haben gesagt, wir gehen dann nicht mehr wieder rein in ein weiteres Jahr, weil wir haben gesagt, das passt einfach nicht. Manchmal erübrigt sich das, weil dann auch die Konstellationen auf Kundenseite wechseln. Da kündigen dann Personen,

neue Personen kommen dazu. Das heißt, es kann sich auch noch mal ändern. Aber ich würde schon ganz klar sagen, unser Ziel für dieses Jahr ist zu schauen, wer sind unsere nervigen Kunden. Das darf ich natürlich nicht so sagen, aber das ist letztendlich so.

Wo sagt das Team, hey, es macht keinen Spaß, an diesem Kunden zu arbeiten. Weil die Leute sollen mit Spaß zur Arbeit kommen. Aus Leidenschaft wird halt viel, viel mehr. Und ich glaube, Leidenschaft ist extrem wichtig. Und die Leute sollen es nicht nur als Arbeit sehen,

sondern etwas, was sie auch erfüllt. Und da kann so ein nerviger Kunde das Gegenteil bewirken. Deswegen sagen wir, wir gucken uns das an. Wer sind vielleicht die Kunden, die uns richtig gut stehen, die sehr, sehr häufig tanzen.

Dass man das auch vielleicht dem Kunden zurückspielt. Sagt, hey, wir haben mal eine Umfrage gemacht, drei liebsten Kunden. Wollt ihr nicht vielleicht sehen, dass wir einfach mal eine Party zusammen machen?

Also dass man auch da wieder eine Verbindung schafft. Und dann die nervigen Kunden, da muss man halt einen Weg finden. Entweder die werden besser oder man muss dann halt, wenn der Vertrag ausläuft, sich trennen. Oder frühzeitig vielleicht auch ein Ende finden.

Das ist ja auch etwas, was man sich sehr leisten können muss. Wir haben auch in verschiedenen Episoden schon darüber gesprochen. Mal gucken, wie es uns da allen in ein paar Jahren geht, was das ganze Thema angeht. Chris, habt ihr bei Freunde des Hauses, lehnt ihr Kunden ab?

Ja, im Prinzip schon. Da gibt es eigentlich auch ein ganz gutes Beispiel. Ich habe das ja schon mal gesagt, dass wir sehr gerne Chemistry Meetings machen, weil wir dann einfach auch ein besseres Gefühl bekommen. Und übrigens nervig heißt

ja auch ganz oft, das muss ja nun mal, es ist wahnsinnig wichtig, dass ein Team Lust hat, mit und auf einem Kunden sozusagen zu arbeiten. Dann ist Kreativität möglich. Dann kommen die Sonderideen. Dann poppt da auch mal was Zusätzliches auf. Das wissen

wir ja alle. Das entdeckt man ja auch an sich. Aber nervig, ich interpretiere jetzt einfach mal weiter, ohne zu wissen, von welchem Kunden du gesprochen hast, heißt ja ganz oft auch nicht wirtschaftlich. Und dann ist die Frage, ob man sich das leisten kann, in sich ja schon

beantwortet. Weil wenn der defizitär ist, dann muss man sich mal überlegen, wie lange man das noch machen will. Und ist das eine Marke, die einen positiven Abstrahleffekt hat, weil deshalb Leute anrufen, sagen, ihr habt ja ... und deshalb wollen wir von

euch betreut, beraten, was auch immer werden. Oder passiert da eigentlich nichts?

Darf ich zu dem Nervpunkt noch was sagen?

Sag mal was zu dem Nervpunkt. Also, wenn ein Kunde nicht die gleichen Werte teilt und man merkt respektloses Verhalten und so weiter, da bin ich komplett dabei. Wir haben die Erfahrung

gemacht, und das ist übrigens auch bei uns in der Beratung ein wichtiger Punkt, dass die Kunden, mit denen du total gut zusammenarbeitest, ohne Probleme, ganz viel Geld, toll, die entwickeln dich nicht weiter.

Die Kunden, die dich inhaltlich nerven und du da davorstehst und sagst, was wollen die denn schon wieder?

Die Schwierigen, das sind die, die den Laden vorantreiben. Inhaltlich. Und deswegen finde ich, muss man immer genau gucken: Ist das ein Kunde, der einfach ein Sackgesicht ist?

Und wir kommen einfach ... ja, es passt gerade nicht, weil, was weiß ich, kann ja sein. Das ist eine andere Ebene. Aber ich finde immer an dem Punkt, wenn man merkt, inhaltlich passt es gerade, inhaltlich passt es nicht, das ist die größte Chance zu wachsen.

Weil vielleicht ist das ein Kunde, der einfach vor Herausforderungen steht, vor denen man noch gar nicht wusste, dass die demnächst wahrscheinlich viele Kunden kriegen werden. Aber ich glaube, fairerweise muss man da ins Wording gehen, weil genau was du sagst, man muss da ganz stark unterteilen. Wir haben auch

einen Kunden, das ist jetzt auch nicht so ein zugängliches Thema, was ich auch schon mal gut für eine Agentur finde. So diese ganzen berühmten Knackthemen, wo man sich mehr daran abarbeitet,

die bringen einen weiter. Und das ist sozusagen ein Kunde, der sehr viel fordert. Das heißt aber nicht, dass es ein nerviger Kunde sein muss. Man hat manchmal so was wie: Warum kann es nicht so schön einfach gehen und

plätschert so fröhlich dahin? Deshalb würde ich das total unterstreichen und müsste einfach noch mal fairerweise den Matthäus fragen, was er genau mit nervig meint und wie das dann im Team besprochen wird. Weil ich glaube, dass der Begriff oder dieser

Toleranzboden da noch mal ein bisschen anders betrachtet werden muss. Ich glaube, wir machen das einfach auf zwischen Sackgesicht und Wachstumschance. Aber fordernd ist super.

Ich würde euch beiden zustimmen. Inhaltlich, fachlich gibt es nichts Besseres. Ich würde auch sagen, damals als Berater bin ich mit den Kunden am stärksten gewachsen, die halt die unbequemsten Fragen gestellt haben. Aber nicht die Kunden,

die sagen: Könnt ihr bitte die Rechnung noch mal auf zehn Posten splitten? Ich brauche das bis morgen früh um 9 Uhr um 17 Uhr. Also dieses eher organisatorische Nightmare. Du brauchst einen Prozess.

Du brauchst einen Prozess, dann geht das. Ich glaube, Matthäus geht hier nachher noch mit einer Strategieberatung von Heiko raus. Ich glaube auch, was ganz wichtig zu sagen ist: Ein Nein

für den Kunden ist ein doppeltes Ja fürs Team. Und das ist, glaube ich, auch extrem wichtig, nach innen zu kommunizieren. Wir haben auch angefangen, nach innen stärker zu kommunizieren. Nicht, wo haben wir einen Auftrag gewonnen, sondern wie viele Kunden haben wir abgelehnt, weil wir sagen: Hey, wir wollen nicht

den Erfolg der Agentur auf den Schultern der Kollegen ausfechten. Kunden kommen und gehen, will wahrscheinlich kein Kunde hören, aber Kunden kommen und gehen und Mitarbeiter müssen eigentlich lange und perspektivisch bleiben, weil man investiert in die

Person, man baut sie auf und eine Agentur ist halt nur so wertvoll wie das Team dahinter. Dennis, ich will noch mal zu dir gehen. Du hast im Vorgespräch was erzählt, auch so sehr oberflächlich und gesagt: Ja, auch da hatten wir dann einen Kunden

und der hat dann irgendwie angefangen zu diskutieren. Ja, dann haben wir den rausgeschmissen. Das klang so unglaublich salopp, was du da gesagt hast. Das ist ein Türsteher. Ja, guck mich doch an. Der größte Sackgesicht im Raum bin ich.

Der Mann mit den Tattoos schmeißt hier einfach um sich. Kannst du kurz erzählen, was die Gründe waren, so einen Kunden abzulehnen und den rauszuwerfen, obwohl ihr ja wohl schon zusammengearbeitet habt? Der hat eine Art Direktorin von mir im Call beleidigt

und dann habe ich ihn im Call rausgeschmissen. Also wirklich? Ja. Krass. Du guckst auch so überrascht. Agenturen müssen öfter miteinander reden. Und nicht nur über die schönen Dinge.

Genau mit diesem Ziel hat das Agency Life Team die letzten Wochen und Monate damit verbracht, all das auf Papier zu bringen, worüber sonst viel zu selten gesprochen wird. Dabei herausgekommen ist das erste Agency Life Magazin. Sozusagen

ein Liebesbrief in Magazinform, das das Leben einer Agentur in 135 Seiten widerspiegelt. Dynamisch, vielseitig und leicht chaotisch. Darin verbinden wir Agenturen, klopfen ihnen auf die Schulter und liefern

Zahlen. Haben wir dein Interesse geweckt? Dann bestell dir jetzt dein kostenloses Magazin. Den Link dazu findest du in den Show Notes. Das ist pure Begeisterung, die ich gerade nicht richtig ausdrücken kann. Das finde ich gut.

Es gibt halt einfach Grenzen. Und ja, vor allen Dingen ein besseres Mitarbeiter Bonding. Jetzt kenne ich die ganzen Eckdaten nicht, aber die Story, wie sie jetzt in diesem Satz dargestellt wird, ist doch super.

Es ist ja das, was Matthäus gerade gesagt hat. Manchmal ist ein Nein nach außen ein doppeltes Ja nach innen. Das finde ich eigentlich echt eine wunderschöne Formulierung dafür. Und in dem Moment, in dem das passiert ist,

da musst du wissen, die ganze Zukunft deiner eigenen Agentur steht jetzt in dieser Sekunde auf dem Spiel. Weil wenn du jetzt sagst, ja, ist ja okay,

dann darfst du nie wieder sagen, wir sind eine Werteagentur. Aber wenn du sagst, wir sind jetzt eine Werteagentur, was ist die richtige Handlung in dieser Sekunde?

Dann weißt du, was du zu tun hast. Und so war das. Es war auch nicht mehr und nicht weniger. Es war einfach nur in dem Moment auf das, was wir selbst von uns sagen, konsequent. Hat er versucht, das zu retten?

Also im Sinne von, ups, und dann auf einmal, jetzt habe ich es gar nicht so gemeint. Aber ich mache das ja wie Matthäus. Ich speichere ja die Namen in den Nummern. Und wenn ich dann weiß, wer anruft ... Dann weiß man, wo man auch manchmal nicht rangeht.

Genau. Die Versuche gab es, aber es war einfach dann ... Das Kind war am Brunnen und da muss man auch nicht noch mal von vorne anfangen. Also irgendwann kann man dann auch echt mal sagen,

jetzt ist gut, die Grenze war überschritten, tschüss. Chris, wie ist das denn bei euch in der Gruppe? Also ihr seid ja mit verschiedensten Agenturen über die Gruppe verbunden. Wenn da jetzt ein Kunde kommt mit einem Projekt zum Beispiel bei einer anderen Agentur,

ihr arbeitet ja auch zusammen. Habt ihr da immer noch diese große Freiheit, auch einen Kunden abzulehnen? Oder ist da schon auch viel Verpflichtung da über die Gruppe?

Oder meinst du das mit einer Verpflichtung über die Gruppe im Sinne von ... Im Sinne von, können wir da jetzt wirklich Nein sagen, auch wenn es nicht so gut passt, weil das kommt ja hier von einer Agentur, mit der wir so technisch connected sind. Ach so, okay. Dieses berühmte Abspielchen.

Das gibt es ja bei uns auch. Wir haben jetzt gerade frisch ein Thema dann auch wieder nach einer Teamabsprache mehrfach durchgekaut und gesagt, hm, wir sind das leider doch nicht. Das war uns sehr unangenehm

und deshalb wollten wir sozusagen gerne eine passendere Agentur anbieten. Haben das dann innerhalb der Gruppe auch sozusagen besprochen und mein aktueller Stand ist, dass das sozusagen auch klappt. Aber die

Kollegen haben ja immer die Freiheit zu sagen Nein. So. Und teilweise ist es natürlich total klasse, so ein Netzwerk zu haben, weil dadurch kommt natürlich eher auch noch mal so ein Kontakt zustande und der Kunde hat das vielleicht

gar nicht gewusst. Oh, die Freunde des Hauses gehören zum Hirschen Netzwerk. Aber diese Freiheit muss es ja eben immer geben, weil also eine Zwangsverpflichtung, also vielleicht bin ich da jetzt auch ein bisschen zu esoterisch, aber das ist ja nicht gesund.

Also das kann ja nicht gesund sein, wie so eine Pflicht Ehe, also da ist keine Liebe im Spiel. Das dauert ja auch dann nicht wirklich und das ist überhaupt nicht die Haltung von den Hirschen.

Heiko, wie fühlt sich das an, wenn du weißt, ich glaube, ich muss diesem Kunden absagen?

Furchtbar. Also ehrlich, das ist das Schlimmste, finde ich. Es ist eine der schlimmeren Sachen, die im Alltag so auf dich zukommen, aber man muss sich ja immer fragen, was ist der Preis dafür? Und Achtung, wir sind in einer

total merkwürdigen Situation, da draußen tobt Krieg und die Wirtschaft brummt noch. Also das passiert gerade noch. Und du musst dich halt als Inhaber entscheiden,

wenn ich diesem, also tatsächlich, gestern musste ich einem Kunden eine Mail schreiben und sagen, wir können nicht anbieten, weil wir werden es nicht schaffen in diesem Zeitraum, weil einfach die Ressource nicht da ist.

Und das ist doof und schlimm. Da kommt natürlich auch, Gott, was heißt das für die Kundenbeziehung?

Und das spielt natürlich dann sich auch alles ab. Aber wir sind, glaube ich, dann alle ja in der Situation, dass wir sagen, okay, wir kriegen den Laden ja trotzdem, wir kriegen die Gehälter trotzdem bezahlt. Das geht

alles gerade noch. Sonst würden wir es auch ehrlicherweise wahrscheinlich gar nicht machen. Also insbesondere in den frühen Phasen, als wir den Laden gegründet haben, da gab es kein Nein. Also egal, was du mich gefragt hast, klar, kriegen wir hin.

Aber in der jetzigen Situation ist das einfach eine Entscheidung, die man trifft. Und gleichzeitig weiß ich, der Grund für den Misserfolg wird in den Zeiten des Erfolgs gelegt. Und deswegen ist das gerade eine ganz, ganz

wichtige Phase, wo du merkst, okay, es ist genug Geschäft da. Wir kriegen leider nur zu wenig Mitarbeiter. Du musst dich trotzdem fragen, was passiert in zwei Jahren?

Was muss ich heute machen, damit ich trotzdem automatisiertes Inbound besser hinkriege, damit wir wirklich auf den Akquise Knopf drücken können. Deswegen empfehlen wir unseren Kunden, und wir machen es auch selber, bereite dich auf einen Vertriebspush

vor, den du machen musst. Und bereite dich jetzt gerade darauf vor. Kosten runter, halt die Kosten im Griff, weil, also ich gucke jetzt gerade mal raus, was da draußen ... also Wolken. Und ich glaube, das ist, ja, das ist

gerade angesagt. Also ich gehe nicht davon aus, dass Beratungs und Werbeetats in den nächsten fünf Jahren gerade explodieren werden. Also hoffentlich irre ich mich, aber das ist die Aufgabe. Aber das Nein, was du eben beschrieben hast, ist ja

eigentlich auch eine professionelle Absage im Sinne von, du hast es, wenn ich das richtig gehört habe, auch im Sinne von Ressourcen, Machbarkeit in einem bestimmten Zeitfenster und so. Ich weiß, das haben mir allerdings Kollegen erzählt, weil ich es

selber live nicht mitbekommen habe, dass es auch solche Art von Absagen gegeben hat. Und die können ja größtenteils auch gewertschätzt werden, ja. Also ich meine, ein ehrliches Nein ist viel mehr wert als so ein halbgares Ja. Also das

gilt für mich im Business wie im Privaten, ehrlich gesagt. Und ich hoffe, dass das nicht zu salopp hier rüberkommt, nur weil wir hier auf relativ entspannten Lounge Möbeln irgendwie sitzen. Ja, diese Sofasache macht einen unvorsichtiger. Ja, man fläzt sich hier

irgendwie so fröhlich hin. Und bei mir ist es so, ich habe jetzt Einzelbeispiele vorgestellt oder kurz darüber berichtet, dass es sowas gegeben hat, damit man einfach mal die Bandbreite kennt, dass

die Geschäftsführung bei uns, die Geschäftsleitung, grundsätzlich das Führungsteam und so weiter die Weiterentwicklung, die Sicherheit der Agentur, das Wachsen des Businesses total im Fokus hat und nicht mal eben so

nonchalant auf dem Flur mit der Hand so darüber wischt nach dem Motto, den Kunden sagen wir jetzt ab oder nehmen wir nicht. So was gibt es nicht. Also ich glaube, dafür sind wir hier auch alle viel zu sehr bei der Sache.

Das liegt einem am Herzen. Stichwort Verantwortung. Ihr seid ja auch alle Profis. Also da sind wir ja schon drin. Deshalb frage ich das auch noch mal. Matthäus, ihr erarbeitet das gerade, hast du gesagt. Fühlst du dich wohl bei dem Gedanken,

irgendwie vielleicht im Laufe des Jahres Kunden sagen zu müssen, wir können nicht mehr mit euch arbeiten?

Ihr nervt?

Ich würde sagen, ja. Weil ich weiß, dass quasi das größere Ziel, was du schon sagtest, eigentlich irgendwie die Zukunft ist. Für uns als Agentur sind es halt die Personen. Und wenn die Personen permanent

unzufrieden sind, dann werden sie halt auch die Agentur irgendwann verlassen. Deswegen lieber sich dann von jemandem trennen, der halt einfach nicht so gut zu einem passt. Aber jede Absage, da blutet mir das Gründerherz. Klar, natürlich will ich als Agentur keinem Unternehmen

absagen. Aber manchmal sind es auch sogar große Unternehmen, wo man absagt, wo man weiß, okay, das wird dann sonst auf den Schultern der Mitarbeitenden ausgefochten. Ich bin als Gründer, ich hole es rein und ich bin dann raus, weil ich muss vielleicht die Arbeit gar nicht

so im Detail machen. Und das will ich halt nicht vertreten als Gründer oder wir als Gründerteam. Und ich würde auch ganz klar sagen, was du auch angesprochen hattest, dass man am Anfang im Grunde

jeden Kunden genommen hat. So sind wir auch groß geworden. Natürlich kamen am Anfang, als wir neu gegründet haben, 2017, nicht alle Anfragen rein und wir kamen aus dem Nichts. Wir mussten uns das aufbauen. Diese Reputation mussten wir aufbauen, dass wir auch mal Nein

sagen können. Dennis, ich komme zum Abschluss noch mal zu dir. Die Story, die du vorhin erzählt hast, war ja sehr extrem. Also da war ja eine sehr krasse Grenze. Und ihr seid noch am Anfang, ihr seid ein Jahr alt jetzt ungefähr als Agentur, oder?

Hast du schon das Gefühl, dass ihr jetzt wirklich Kunden ablehnen könnt und dürft? Und wenn nicht, gibt es so eine Grenze in dir, wo du denkst, ab da geht das entspannt?

Nee, wir müssen das tun. Wir müssen das tun, weil wir uns selbst so positioniert haben. Und weil wir selbst unserer Positionierung treu bleiben müssen. Und ich kann vielleicht noch eine weniger krasse Anekdote erzählen, aber die

auch gut darstellt, wie das super funktionieren kann in einem gemeinsamen Konstrukt. Und zwar entscheiden wir nicht mit den alten grauen weißen Männern, was wir annehmen und was

nicht, sondern eher auch in einer basisdemokratischen Art. Ich mache ein Beispiel, es kommt eine Anfrage, kein Pitch, sofort loslegen, sehr gutes Budget.

Und ich frage das Team, ich sage, schaut mal, wir haben eine Anfrage, was meint ihr?

Team, geschlossen, sagt Nein. Team, geschlossen, weiß dann aber auch, wir haben gerade einen hohen sechsstelligen Betrag versenkt. Und das löst was aus.

Und zwar was Großartiges. Weil jetzt wissen alle, wir haben gerade Budget versenkt. Und das löst aus, dass wir, hey, jetzt müssen wir gemeinsam, jetzt müssen wir irgendwie, jetzt müssen wir

anpacken, da gut sein, hier gut sein, vielleicht findet sich noch irgendwo ein Kontakt oder was auch immer, ist ja egal was. Aber es löst eine Dynamik aus, das sofort kompensieren zu wollen. Und das ist cool.

Und das mag ich auch an dieser basisdemokratischen Art, solche teilweise wirklich schwierigen Entscheidungen zu treffen. Als Team. Vielen, vielen Dank, dass ihr mit dem Thema so offen wart. Weil es ist was ganz, ganz Zentrales,

einmal den idealen Kunden zu finden, aber eben auch diesen Mut zu haben, Kunden, das Team vielleicht vor manchen Kunden sogar zu schützen. Oder vor manchen Arten mit Menschen zu arbeiten.

Welcome back und danke an Annalena für die Moderation. Und natürlich an unsere Gäste für die ehrlichen Einschätzungen. Langsam aber sicher lassen sich schöne Verbindungen zwischen allen Themen ziehen. Und genau an dem Punkt

macht es ja dann erst so richtig Spaß, wenn Positionierung, Kundenmanagement, Teameinbezug und Co. ineinandergreifen. Mit unseren ersten vier Folgen haben wir also schön an der Basis gearbeitet. Nächste Woche bauen wir genau darauf auf

und widmen uns nachhaltigem Wachstum von Agenturen. Schaltet wieder ein oder noch einfacher: Abonniert einfach den Podcast für wöchentliche Updates. Hinterlasst uns auch gerne eine Bewertung und meldet euch bei Fragen oder Impulsen.

Bis zum nächsten Mal bei Agency Life Deutschland bei Teamleader.

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Datum 09 Juni 2022
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