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Wie meistert eine Markenagentur Herausforderungen? Mit Sophia Schliesske

In dieser spannenden Folge von 'Agency Life Deutschland' by Teamleader haben die Gastgeber Jona und Chris das Vergnügen, Sophia Schliesske, die Geschäftsführerin der renommierten Schliesske Markenagentur GmbH, als Interviewgast willkommen zu heißen. Die Schliesske Markenagentur ist bekannt für ihre klare Positionierung und ihren mutigen, strukturierten und agilen Ansatz, der ihr dabei hilft, sich erfolgreich am Markt zu behaupten. Während der herausfordernden Zeit der Corona-Pandemie hat die Agentur spürbare Auswirkungen erlebt und reagierte prompt, durch Anpassung der Vertriebsstrategie und der Website. Sophia gibt uns einen Einblick in das Profil des idealen Kunden: motiviert, ein Experte in seinem Bereich und jemand, der eine harmonische Zusammenarbeit ermöglicht. Darüber hinaus teilt sie ihre Erfahrungen mit Herausforderungen im Umgang mit Kunden, erläutert interne Zielsetzungen im Team und erörtert die zukünftige Bedeutung des Netzwerkens.

Musik. Es sind im Grunde drei Wörter oder drei Begriffe, die wir uns auf die Fahnen schreiben. Das ist Mut, Struktur und Agilität. Und selbst wenn wir die uns nicht von Anfang an auf die Fahnen geschrieben haben, war das sicherlich von Anfang an schon richtig und war und ist es auch heute immer noch. 

Musik.

Mein Name ist Christopher Utz. Und mein Name ist Jonathan Staak. Und wir führen euch durch den Podcast Agency Life Deutschland by Teamleader. Wir sprechen mit spannenden Persönlichkeiten aus der Agenturszene. Musik.

Eine neue Woche, eine neue Episode von Agency Life Deutschland by Teamleader.

Und heute mit unserem Finale der ersten Staffel. Über sieben Folgen hinweg konnten wir mit unseren Expert*innen über das Leitthema Business Development sprechen und die unterschiedlichen Herausforderungen in Agenturen durchgehen. Heute der zweite Focus Talk, der Business Development abrundet. Mit Sophia Schliesske. Ich hoffe, ich habe den Namen richtig ausgesprochen.

Ja, hast du. Hallo, schön, dass du bei uns bist heute.

Hi. Herzlich willkommen.

Ich stelle dich einfach mal ganz kurz vor. Seit Dezember 2022 CEO der Schliesske Markenagentur. Und du hast einen sehr ungewöhnlichen Werdegang, hast du uns selber erzählt. Und wir sind jetzt sehr gespannt, ihn zu hören.

Genau. Und zwar fing es eigentlich schon damit an, dass ich nach der zehnten Klasse gesagt habe, ich möchte ins Ausland gehen. Heißt, ich bin sehr, sehr früh erstmal ganz weit weg von zu Hause gegangen. Ich bin in die USA auf ein Internat und habe dort statt einem regulären Auslandsjahr zwei Jahre verbracht und sogar dort meinen Abschluss, meinen Schulabschluss, gemacht. Im Anschluss bin ich nach Deutschland zurückgegangen und habe Jura studiert. Bedeutet, ich war in Passau und in Frankfurt. Ich habe auch das erste Staatsexamen gemacht und dachte, ich schlage den ganz klassischen Weg ein zur Staranwältin. Natürlich nichts weniger als das. Habe aber im Referendariat, das ist ja dieser zweite Teil nach dem ersten Examen, gemerkt, das gefällt mir überhaupt gar nicht mehr, ist mir viel zu verschult, dauert mir alles zu lang. Ich wollte lieber schnell wieder arbeiten gehen und habe dann in Frankfurt meine Zelte komplett abgebrochen. So ziemlich von heute auf morgen habe mein Referendariat abgebrochen, meinen damaligen Job in der Kanzlei abgegeben und bin nach München zurückgegangen, wo ich auch herkomme. Und ja, meine Eltern haben seit 1996 die Agentur und haben dann gesagt: Komm, wir stellen dich an, du hilfst ein bisschen aus und überlegst dir in der Zeit, was du machen möchtest als Nächstes, wo du hin möchtest. Ich hatte zu dem Zeitpunkt überhaupt keine Ahnung, wie es für mich weitergehen würde. Und ja, aus meiner Anstellung im Sommer ist dann sehr schnell mein Vollzeitjob geworden. Ich war also dann ab Sommer 2018 plötzlich Projektmanagerin und wirklich komplett learning by doing. Ich hatte nicht wirklich viel Ahnung vom Agenturleben, außer das, was ich mein Leben lang immer über die Eltern mitbekommen habe.

Das heißt, gerade weg vom Jura zum Marketing.

Genau.

Sind ja auch zwei Welten.

Genau. Ja, tatsächlich. Und dann ging es auch sehr, sehr schnell in die Projektarbeit rein. Eine Kollegin von mir hatte drei Wochen Urlaub im Sommer und ich war in der Zeit ihre Vertretung. Und das waren wahnsinnig intensive drei Wochen. Ich würde sagen, in den drei Wochen habe ich mehr gelernt als in den ganzen Jahren davor. Und ja, dann habe ich nach und nach über die Jahre meine eigenen Projekte bekommen, meinen eigenen Kunden übernommen, sehr, sehr viel gelernt. Vor allem zum Thema Marke, Branding. Branding ist unser Fokus, deshalb nennen wir uns ja auch Markenagentur. Und ja, ich würde sagen, ich habe mich hochgearbeitet tatsächlich und darf jetzt neben meinen Projekten auch die Geschäfte führen, wie man so schön sagt.

Würdest du uns noch einen kleinen Einblick geben, was ihr als Agentur macht?

Ja, gerne. Wir heißen seit, ach Gott, ich meine 2015, Markenagentur. Wir hießen davor Werbeagentur. Bedeutet, wir haben immer klassisch Werbung gemacht. Wir haben aber auch immer schon einen großen Fokus auf Marke gelegt. Bedeutet erstens, wir machen gar keine Kommunikation, ohne nicht vorher über die Marke zu sprechen oder auch an die Marke zu denken. Und wir machen sehr viele Markenprozesse. Bedeutet Markenpositionierungen mit den Kunden, Markenworkshops. Wir machen Markenarchitektur, wenn der Kunde das benötigt. Und dadurch, dass wir uns dadurch hervorheben, durch diese besondere Expertise im Markenbereich, haben wir uns tatsächlich umgenannt, weil wir eben mehr machen als nur, in Anführungszeichen, reine Werbung. Wenn aber die Markenprozesse abgeschlossen sind, dann gehen wir natürlich in die klassische Kommunikation rein. Kampagnen, Webseiten, Social Media, Filme, you name it. Dann kommt der ganze Rattenschwanz hinterher.

Ihr habt also ein Stückchen weiter vorne angefangen und das Ganze ein bisschen mit mehr Fundament unterbaut.

Genau, genau, tatsächlich. Und neben der klassischen Corporate Brand betreuen wir jetzt auch immer mehr Employer Brands. Machen wir sogar schon seit 2008. Ist aber natürlich in den letzten Jahren ein viel größerer Trend, ein viel größerer Fokus geworden. Überall hört man Fachkräftemangel und irgendwie, oh, wir brauchen jetzt ganz schnell neue Stellen, neue Mitarbeiter. Und da haben wir tatsächlich dieses Jahr zwei Awards schon bekommen für eine Kampagne, die ich hier für einen Münchner Kunden entwickelt habe. Beste Arbeitgebermarke 2023 und einmal Employer Brand Award, einmal Stevie Award. Also das läuft ganz gut, würde ich sagen.

Cool, danke fürs kurze Intro.

Gerne.

Du, dann schauen wir jetzt genau eben auf deine Agenturjahre und starten direkt mal rein mit einer polarisierenden Frage. Weil im Agenturumfeld kommst du ja um das Thema Pitching nicht herum. Wie ist es bei euch? Geht ihr in Pitches? Wie steht ihr zu Pitches? Und wie handhabt ihr das Ganze bei euch?

Sehr gute Frage. Wir gehen tatsächlich selten in Pitches rein. Es kommt einfach nicht so oft auf unseren Tisch tatsächlich. Wir hatten letztes Jahr, meine ich, war das ein Pitch, für den wurden wir aktiv angefragt. Den haben wir dann auch sehr gerne mitgemacht. Leider nicht gewonnen. Hat trotzdem Spaß gemacht. Ansonsten kommen wir tatsächlich an Neugeschäft, indem wir sehr viel selber kalt akquirieren. Also wir sind tatsächlich ganz banal auf LinkedIn und Xing viel unterwegs und schreiben Unternehmen an, von denen wir glauben, dass wir ihnen helfen könnten. Wir schalten selber sehr viel Werbung über Google, also klassisch SEA. Aber Pitches sind wirklich kein großes Thema bei uns. Wir würden jederzeit sicherlich wieder an einem teilnehmen. Allerdings nicht mehr so gerne unvergütet. Einfach in der Vergangenheit wurden da ein paar schlechte Erfahrungen mitgemacht. Und deswegen, wenn, dann müsste da schon irgendwie ein bisschen Geld fließen.

Das heißt aber, eure Zielgruppe sind jetzt auch nicht diese Big Brands, sondern es ist ein bisschen kleiner. Die noch nicht so auf Pitches, sage ich mal, stehen oder sagen, sie wollen die Pitches haben oder laden zu den Pitches ein. Sondern es sind noch mittelständischere Unternehmen.

Tatsächlich Mittelstand. Wir haben auch einige große Unternehmen. Wir haben auch einige große Kunden aus der Industrie, zum Beispiel Freudenberg. Die betreuen wir seit 2013. Und das war damals sogar ein Agenturpitch, den wir dann gewonnen haben. Allerdings, es gibt oftmals Ausschreibungen, die allein in der Vorbereitung, um an der Ausschreibung teilzunehmen, so viel Input erfordern, dass wir einfach sagen, das können wir nicht abbilden. Wir sind ein relativ kleines Team. Und wenn der Kunde ein Team bräuchte, was mit 25 Mann fulltime an dem Projekt arbeitet, dafür sind wir einfach zu klein.

Würdest du dann überhaupt noch einen Pitch machen unbezahlt?

Es kommt drauf an. Also wenn es in einem, ich sage mal, überschaubaren Rahmen dargestellt werden kann und interessant ist und cool ist, dann auf jeden Fall. Aber wenn man jetzt irgendwie sagt, wir müssten quasi einen Monat lang unvergütet nur auf diesen Pitch hin arbeiten, dann einfach nein. Dann sind wir die falsche Agentur dafür.

Und auf der anderen Seite, wenn ich fragen darf, wie sieht für dich der perfekte Hergang zwischen dir und einem Kunden aus, bis ihr sagt, okay, jetzt arbeiten wir zusammen? Wie schaut der aus? Perfekt im Sinne von bequem. Perfekt im Sinne von, ich schaffe den besten Nährboden für eine sehr gute Zusammenarbeit. Oder ich schaffe den besten Nährboden überhaupt für eine Zusammenarbeit.

Auch eine schöne Frage. Also ich meine, es fühlt sich natürlich besonders gut an, wenn aus der Kaltakquise etwas entstanden ist, weil man dann bewiesen hat, hey, irgendwie, wir haben den angesprochen, der wusste noch gar nichts von uns, wir konnten uns vorstellen, es hat gevibt, wie man so schön sagt, und wir kriegen ein Projekt daraus. Das ist natürlich ein sehr lohnenswerter Weg. Was aber auch schön ist, und das erleben wir auch tatsächlich regelmäßig, dass wir aktiv angefragt werden. Bedeutet, Kunden oder zukünftige Kunden finden uns über eine Google-Suche. Das läuft wirklich sehr, sehr gut. Da werden wir tatsächlich gut gefunden. Hat schon Bedarf, bedeutet, wir müssen nicht ganz so viel erklären, was wir eigentlich machen könnten, sondern da ist Bedarf. Und dann im Grunde wieder: Man lernt sich kennen, man stellt sich vor, man hat das Gefühl, das passt geistig, es passt menschlich. Und daraus entsteht dann ein Projekt.

Das ist total erfrischend, weil ich glaube, hier sitzt jemand, die ganz anders an diese Sachen rangeht als die vier Gäste aus den ersten sechs Folgen. Und das ist total spannend. Deswegen lass uns da gleich weitergehen. Den nächsten Schritt, wenn ich an die Positionierung denke von einer Agentur. Welchen Stellenwert hatte das? Ich meine, es gibt euch seit 96. Du hast es als wahrscheinlich Tochter schon mitbekommen, ohne dass du überhaupt an einen Beruf gedacht hast. Und dann bist du da reingewachsen und bist jetzt Geschäftsführerin. Wie hat sich, also hattet ihr von Anfang an eine Positionierung und wie hat sich die verändert?

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht genau, seit wann es unsere Positionierung gibt. Ich weiß aber, dass es sie gibt. Und zwar sind es im Grunde drei Wörter oder drei Begriffe, die wir uns auf die Fahnen schreiben. Das ist Mut, Struktur und Agilität. Und selbst wenn wir die uns nicht von Anfang an auf die Fahnen geschrieben haben, war das sicherlich von Anfang an schon richtig und war und ist es auch heute immer noch. Ich denke mal, Mut ist etwas, was vielleicht gar nicht so wahnsinnig viele Agenturen von sich sagen würden. Man könnte auch fragen, was soll der Kunde damit anfangen, mit Mut. Ich finde es aber eigentlich ein sehr schönes Attribut zu sagen, wir sind mutig und wir trauen uns auch immer wieder, vielleicht sogar einen Schritt weiterzugehen als das, was der Kunde ursprünglich haben wollte. Und das kommt tatsächlich aus den Händen meiner beiden Eltern, also die 1996 gegründet haben. Die beiden haben wiederum vorher in amerikanischen Netzwerkagenturen ihr Handwerk gelernt. Bedeutet, das, was sie in diesen großen Agenturen gelernt haben, haben sie mitgebracht und dann für Mittelstand und auch kleinere Kunden umgewandelt. Und diese Positionierung, würde ich sagen, ist bis heute wahr.

Und neben Mut, was ein wunderschöner Begriff ist, und ich glaube, jeder will einen Partner haben, der mutig ist, also auch eine Agentur. Aber du hast auch Struktur und Agilität genannt. Das sind völlig unterschiedliche Begriffe und werden auch von sehr vielen völlig unterschiedlich gelebt quasi. Wie seht ihr die, also wie vereint ihr die?

Also Struktur, würde ich sagen, zeigt sich natürlich vor allem in unserer Arbeitsweise. Lustigerweise ist mein Vater auch Jurist von der Ausbildung her. Und als Jurist bist du gezwungen, sehr strukturiert zu arbeiten. Und genauso strukturiert gehen wir in unsere Projekte und in unsere Prozesse rein. Das heißt, wir weichen sehr, sehr wenig von unseren Strukturen ab. Jetzt könnte man sagen, das ist ja gar nicht agil. Aber es ist einfach: Der Prozess muss strukturiert sein und dann muss man agil auf das reagieren, was eben im Arbeitsalltag auf einen zukommt. Und da würde ich sagen, sind wir sehr fähig. Also wir reagieren und agieren immer schnell und flexibel auf das, was kommt. Und sind aber eben dabei, verlieren dabei unseren Mut nicht. Manchmal fühlt man sich ja vielleicht ein wenig entmutigt durch Dinge, die man erlebt. Aber ich würde sagen, dieses Dreiergespann funktioniert bei uns einfach. Das ist ein rundes Ding.

Ja, also ich stimme dir da komplett zu. Ich finde, Struktur und Agilität müssen sogar zusammen sein, weil eine richtig eingesetzte Agilität funktioniert ohne Struktur oder gewisse Prozesse nicht. Genauso dürfen nicht zu viele Prozesse da sein, um einfach noch diese Freiheit, diese Flexibilität, diese Agilität zu haben. Deswegen ist es sehr schön, dass hier mal jemand sitzt, die das sozusagen auch mitlebt.

Absolut.

Du hattest ja vorhin schon angesprochen, dass sich bei euch so ein bisschen der Kern von Werbeagentur hin zur Markenagentur geändert hat. Haben da die Impulse eher von außen, also von Kundenseite, oder habt ihr das wirklich für euch im Prozess gemerkt, dass ihr dort eure Stärken habt und dass ihr dort mehr reingehen möchtet?

Wir haben das gemerkt aufgrund der Projekte, die wir gemacht haben. Und haben dann im Selbstmarketing einfach gemerkt, wenn wir nur, in Anführungszeichen, als Werbeagentur gehen, werden wir auch als Werbeagentur wahrgenommen. Wenn wir uns aber als Markenagentur positionieren und immer mehr Menschen, Kunden auch tatsächlich nach Markenagenturen suchen, dann finden sie genau uns. Und das ist tatsächlich auch das, was wir wollen. Also wir gehen weniger unter, in Anführungszeichen, in dem ganzen Pulk an Agenturen, die es gibt, und Werbeagenturen. Es gibt ja auch ganz tolle Werbeagenturen, die aber eben nicht so einen Branding-Fokus haben. Und deswegen, also das kam von innen heraus, aber auch weil wir gemerkt haben, okay, es macht einfach Sinn, so nach außen zu treten.

Ganz schön. Jetzt hast du gerade schon das Thema Vermarktung angesprochen. Da ist ja immer so ein bisschen das Klischee letztendlich: Wir machen selber Marketing für andere, aber müssen uns um unser eigenes Marketing kümmern. Ist es bei euch eher so dieses Herzensthema, wir stehen drauf? Wir haben vorne auch rausgehört, ihr macht sehr viel Marketing in der Direktansprache, in Google und so weiter. Oder ist es eher so dieses Thema, boah, das steht ganz hinten an und das ist immer so für alle eigentlich das Letzte, was dann gemacht wird?

Das Letzte ist es auf keinen Fall. Wir haben tatsächlich die Corona-Pandemie sehr stark gespürt. Wir waren auch teilweise in Kurzarbeit und haben wirklich Auftragsrückgänge gehabt. Und wir haben die Zeit sehr smart, würde ich behaupten, genutzt und haben unsere Website komplett neu gemacht, haben unseren Vertrieb komplett neu aufgestellt und haben da, glaube ich, in der Zeit, wo alle ein bisschen auch Blut geleckt haben, richtig Lust bekommen auf das Thema. Und haben immer einen Fokus darauf. Natürlich client first, brauche ich euch nicht sagen, das gilt auch weiterhin. Aber wir zwingen uns, bei uns selber nicht aufzuhören. Das wäre falsch. Und wir haben jetzt nach drei, vier Jahren schon wieder Lust auf eine neue Website. Dazu wird aktuell die Zeit nicht da sein, aber es ist ein großes Thema und es macht auch Spaß, weil wir kriegen tatsächlich sehr, sehr gutes Feedback auf Website und Co. Und das macht auch einfach Spaß, uns selber so zu bewerben und zu positionieren.

Der ideale Kunde. Wir haben vorhin schon mal darüber gesprochen, wie schaut so ein ideales Intro mit dem idealen Kunden aus. Und es wurde viel in den vorherigen Folgen darüber gesprochen: Gibt es überhaupt so einen idealen Kunden? Muss der ideale Kunde eine Harmonie-Geschichte sein oder muss es auch Reibung sein? Wie siehst du das? Also was ist für dich oder für euch der perfekte Kunde?

Gute Frage. Ein bisschen was von allem, würde ich sagen. Also was auf jeden Fall viel Spaß macht, ist, wenn der Kunde selber sehr gut ist in dem, was er macht. Das fängt natürlich dabei an, dass man nicht ganz so viel Erklärungsbedarf hat, was man eigentlich macht, was das bedeutet, wie ein Prozess, ein Projekt aussehen kann, was der Mehrwert sein kann. Also wenn ich diesen Erklärungsbedarf nicht so stark habe, weil der Kunde einfach drin ist, das macht viel Spaß natürlich. Und auch wenn klar ist, was eigentlich das Ziel auf Kundenseite ist. Und wenn man dann gemeinsam auf dieses Ziel hinarbeiten kann, das ist toll.

Harmonie ist immer schön. Ich glaube, der Mensch sehnt sich generell nach Harmonie. Aber was auch richtig Spaß machen kann, ist, wenn man drei, vier Stunden lang zusammenarbeitet mit rauchenden Köpfen und womöglich auch mit unterschiedlichen Meinungen. Aber am Ende einfach etwas rauskommt, was dem Kunden, dem Unternehmen wirklich hilft und was auch einfach richtig ist. Was ich damit meine ist, wir versuchen ja zum Beispiel in Workshops Markenpositionierungen zu erarbeiten beziehungsweise den Input dafür zu bekommen. Und wir sagen immer, stellt euer Unternehmen nicht falsch dar. Also auch nicht in unserem Workshop jetzt hier. Davon hat niemand was. Also eine Marke ist immer nur gut, wenn sie auch wahrhaftig ist und wenn die Kommunikation richtig ist. Es bringt euch nichts, euch völlig anders darzustellen, als ihr seid. Und auf dem Weg dahin, das ist, finde ich, mit das Spannendste in diesen Workshops, ganz, ganz tiefe Einblicke zu bekommen in die Unternehmen, in die Strukturen und auch in die Abgründe der Menschlichkeit.

Aber gab es bei euch trotzdem mal den Moment, wo ihr auch gesagt habt, das ist jetzt ein Auftrag, den wir wirklich absagen, weil es einfach zwischenmenschlich beziehungsweise von den Partnern beziehungsweise von den Prozessen nicht geklappt hat?

Also in meinen fünf Jahren haben wir keinen Auftrag abgesagt. Es kam aber definitiv in der Zeit schon zu Auflösungen von Kundenbeziehungen. Vielleicht, weil das Vertrauen nicht mehr da war oder weil die Projekte irgendwie nicht gepasst haben. Also das gab es auf jeden Fall schon. Wir haben tatsächlich einen Kunden kürzlich, ja, abgeschossen, sagt man ja so ein bisschen. Das war ein wenig traurig. Der hat die Rechnungen nicht bezahlt. Hat aber auch nie etwas bemängelt. War also ein wenig schwierig, eine Lösung zu finden. Der ist tatsächlich einfach untergetaucht. Aber wir haben jetzt den Gerichtsprozess gewonnen.

Schön, dass das auch mal jemand sagt. Also wir sind ja auch eine Agentur. Und dieses Rechnungen-nicht-bezahlen, da hinterher sein, das ist schon ein sehr nerviger Prozess. Und wenn sich dann jemand nicht meldet, ich glaube, das kennt jeder, der in einer Agentur arbeitet, wie nervig das ist. Weil man will eigentlich seiner Arbeit nachgehen und muss sich dann irgendwie mit Zahlungserinnerungen und sowas befassen, anstatt dass man das Gespräch sucht. Und ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Ich glaube, die wenigsten wären da nicht dazu bereit, eine Lösung zu finden, auch zahlungstechnisch, wenn jemand auf einen zukommen würde. Deswegen ist es auch mal schön, dass jemand so offen sagt: Ja, da haben wir jemanden abgeschossen.

Ja, und da muss ich sagen, da ist natürlich der große Vorteil, dass ich Juristin bin. Ich hatte auch ein wenig Spaß daran vielleicht. Nein, aber natürlich, es kommt immer wieder dazu, dass sich einfach Geschäftsbeziehungen auflösen, von der einen oder der anderen Seite. Das ist, glaube ich, ganz normal.

Ich glaube, deinen Spaß kann ich ein bisschen sensibelisieren. Du hattest wahrscheinlich Spaß daran, weil es halt immer so Ohnmachtsmomente gibt, wenn jemand nicht zahlt. Und viele denken ja, sie kommen damit durch. Obwohl eine Rechnung eigentlich einfach rechtsgültig ist. Und da verstehe ich deinen Spaß sehr, sehr gut, weil das ist sehr, sehr nervig.

Ja, das ist tatsächlich ein anstrengendes Thema. Aber auch das gehört dazu.

Absolut. Das gehört genauso auch zum Wachstum. Also ich meine, auch daran wächst man, nicht nur als Person, sondern daran wächst eine Agentur. Weil man so ein bisschen merkt, welche Kunden möchte ich nicht und welchen Kunden sage ich vielleicht auch von Anfang an mal, okay, wir passen vielleicht nicht zusammen. Man sagt das auf einem hohen Level, weil auch wir Agenturen sind ja sehr darauf angewiesen, Kunden zu bekommen. Aber wir wollen natürlich auch Spaß an dieser Zusammenarbeit haben und die sollte auf Augenhöhe sein.

Und deswegen zum gesunden Wachstum unser, ich sage mal, abrundendes Thema heute. Hier blicken wir mehr mit dir in die Zukunft. Habt ihr da als Agentur konkrete Ziele für den Wachstum eurer Agentur? Also macht ihr das an Kennzahlen fest?

An Kennzahlen tatsächlich nicht. Wir wollen gerne wachsen. Wir haben aktuell ein etwas, ich würde sagen, ungewöhnliches Modell für Agenturen. Wir haben derzeit tatsächlich nur eine festangestellte Grafikerin und arbeiten sonst sehr viel mit freien Grafikern. Auch mit vielen, mit denen wir schon seit Jahren oder Jahrzehnten zusammenarbeiten. Aber das ist eher ungewöhnlich. Ist auch aus der Corona-Pandemie entstanden. Wir wollten uns tatsächlich einfach wirtschaftlich flexibel machen und halten. Und das hat auch wunderbar funktioniert. Aber jetzt würden wir uns tatsächlich wünschen und probieren es auch wieder zu wachsen und auch wieder einen etwas größeren Körper an Festangestellten zu haben. Mal schauen, ob das dieses Jahr klappt. Also wir haben natürlich gewisse Zahlen, vor allem Umsatzzahlen, die wir gerne erreichen möchten. Mal gucken, ob es uns gelingt. Aber wir merken auch jetzt natürlich immer noch Krise und Energiekrise. Und hier werden Budgets gestrichen und da auch. Also das ist auf jeden Fall jeden Monat ein Kampf. Der wird uns sicherlich auch dieses Jahr wieder gelingen. Aber schauen wir mal.

Aber habt ihr dann so ganz klare Ziele euch gegeben? Umsatzziele, ja. Das schon.

Ja?

Aber jetzt, dass wir sagen, wir möchten fünf neue Grafiker anstellen, das nicht. Also wir machen es tatsächlich einfach vom Umsatz abhängig. Und schauen wir mal.

Ich finde, weil du sagst ungewöhnlich, ich glaube sogar, inzwischen geht es schon mehr ins Gewöhnliche. Weil ich glaube, viel durch Corona, aber auch schon vorher kam diese Nachfrage von der Unternehmensseite ja auch: Hey, vielleicht habt ihr den oder die im Team ja gar nicht, die ich für dieses Projekt brauche. Und deswegen, ich glaube, das ist sogar eine sehr moderne Herangehensweise zu sagen, man nennt das ja auch Netzwerkagentur. So in dem Sinne, man stellt für ein bestimmtes Projekt, nachdem man die Ziele und das Projekt und das Unternehmen kennt, ein sinnvolles Team zusammen. Was ich ja aus Angestellten nicht immer vielleicht schaffe, weil mir vielleicht ein, zwei, drei Komponenten fehlen. Deswegen, du sagst zwar ungewöhnlich, aber ich finde das sehr modern.

Dankeschön. Das freut mich zu hören.

Also ist halt zielgerichtet. Und ich glaube, danach geht es. Also ich meine, ihr habt einen Schritt zurückgemacht vom Wir-sind-nicht-nur-Werbeagentur, wir sind auch Markenagentur und fangen früher an. Damit geht ihr eigentlich auch noch einen Schritt weiter und sagt, okay, aber wir wollen das Ziel auch erreichen und dafür brauche ich vielleicht die besten Leute. Deswegen. Du sagst, ihr habt keine Ziele anhand von Mitarbeiter*innen. Aber vielleicht braucht es die auch gar nicht. Also das Gefühl habe ich, dass es die gar nicht braucht.

Dann kommen wir eigentlich…

Das war auf den Punkt. Kann ich jetzt nicht mehr wirklich… Das war absolut auf den Punkt.

Absolut auf den Punkt. Deswegen würde ich sagen, machen wir noch unsere Spezialfrage zum Ende hin. Darauf hast du dich natürlich nicht vorbereitet. Dein Geheimtipp beziehungsweise dein Spezialtipp für Agenturgründer, Agenturgeschäftsführer. Was würdest du sagen, ist entscheidend? Was nimmst du vielleicht auch für die nächsten Jahre jetzt mit, wo du sagst, hey, darauf kommt es wirklich an?

Netzwerken. Also das, was wir an Kaltakquise online machen, das ist schon sehr wichtig. Was ich und mein Vater vor allem auch persönlich machen, ist, dass wir extrem viel rumkommen. Also wir sind in vielen Verbänden aktiv. Wir stellen uns oft abends oder am Wochenende auf Veranstaltungen. Wir lernen die Leute kennen in einem Rahmen, in dem es vielleicht gerade gar nicht um das Unternehmen oder das Projekt gehen muss, aber man darüber einen entspannten Einstieg einfach findet. Also Menschen kennenlernen, Beziehungen pflegen und einfach schauen, dass die Leute wissen, dass es dich gibt und was du machst und was du gut kannst. Und nicht nur im stillen Kämmerchen sitzen und irgendwie versuchen, alles andere perfekt zu machen.

Wir haben ja mit dir heute auch sozusagen eine neue oder zweite Generation in eurer Agentur drin, was es ja auch nicht immer gibt. Was hätte dein Vater dir gesagt, wenn du in diese Agentur gehst als junges Mädel und sagst, was ist dein Erfolgstipp? Als, ich sage mal jetzt, Kontrast zu deinem. Oder war es der gleiche?

Schwierig. Also insofern auf jeden Fall der gleiche, dass er auch immer schon sein Netzwerk sehr stark pflegt. Und ansonsten hätte er mir wahrscheinlich gesagt: Right people. Also es geht darum, mit den richtigen Menschen zusammenzuarbeiten. Dann kommt man durch jede Krise durch, dann kommt man zu wunderbaren Projektergebnissen und mit Glück macht das auch noch Spaß in der Zeit.

Das ist sehr schön, weil diese zwei Komponenten hervorragend zusammenpassen: die richtigen Menschen kennenlernen und Netzwerken. Also ein schöner Erfolgstipp von beiden Seiten. Dankeschön.

Sophia, wir sind am Ende. Also es ging für mich gefühlt, waren es fünf Minuten, wir sind aber doch schon ein bisschen drüber. Hat echt Spaß gemacht, vor allem weil ihr nochmal so einen ganz eigenen Ansatz habt und weil diese zwei Generationen in einer Agentur sind, wo ich glaube, sich viel gewandelt hat und auch noch wandeln wird mit dir. Deswegen vielen, vielen Dank, dass du heute bei uns warst. Und euch eine erfolgreiche Zeit weiterhin. Wir sind sehr gespannt, was so passiert. Wir bleiben in Kontakt, wir netzwerken und schauen mal, was so passiert.

Ja, absolut. Vielen Dank für die Einladung.

Sehr gerne. Und für euch da draußen auch danke fürs Zuhören. Wir sind jetzt am Ende unserer ersten Staffel angekommen.

Oh, stimmt.

Aber auf Hochtouren schon an der zweiten dran. Dementsprechend der obligatorische Blick auf die ersten Folgen, wenn ihr noch nicht reingehört habt. Und ansonsten sind wir in ein paar Wochen wieder zurück. Und dann geht es weiter mit den Folgen.

Und dann geht es weiter mit den Focus Talks.

Genau. Bis dahin. Hinterlasst uns gerne eine Bewertung, wie immer. Sendet uns Impulse zu neuen Gästen, Themen und so weiter. Und dann hören wir uns in Staffel 2 von Agency Life Deutschland.

Auch auf
Datum 22 Juni 2023
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