Wie funktioniert Social Media Marketing 2024?
Wie hat Helge Ruff seine Agentur zu einem Social Media Schwergewicht gemacht? Welche Strategien und Methoden setzt OneTwoSocial ein, um ihre Kunden erfolgreich zu machen? Helge teilt die spannende Geschichte seines Unternehmens und gibt tiefe Einblicke in ihre innovative Arbeit auf Plattformen wie Instagram und TikTok.
Über die großen Veränderungen im Social-Media-Marketing sprechen wir heute mit dem Inhaber einer der größten Social-Media-Agenturen Deutschlands. Helge Ruff ist heute unser Gast von OneTwoSocial. Mit ihm sprechen wir heute über seine gesamte Reise im Social Media. Helge hat schon auf StudiVZ seine ersten Kampagnen gefahren und beschäftigt sich heute mit den drastischen Veränderungen, die TikTok in den Markt bringt. Welche Änderungen das genau sind und woran Helge mit seinem Team arbeitet, das erfahrt ihr heute in unserer Folge.
Bevor wir mit der heutigen Folge starten, möchten wir euch zunächst erklären, worum es uns und unserem Partner Teamleader in diesem Podcast überhaupt geht.
Wir laden in jeder Folge spannende Persönlichkeiten aus der deutschen Agenturszene ein, die mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen andere Agenturen inspirieren und motivieren möchten. Und genau dort setzt Teamleader mit seiner leistungsstarken Agentursoftware an. Diese hilft bereits über 4.000 Agenturen dabei, Terminfristen einzuhalten, Budgets zu kontrollieren, Gewinnmargen zu steigern, Kapazitäten zu planen und vieles mehr.
Damit ihr euch voll und ganz auf eure Kreativität konzentrieren könnt. Von Agenturen für Agenturen. Und los geht’s mit unserer heutigen Folge.
Herzlich willkommen zurück bei Agency Life Deutschland.
Und wir starten gleich mit einer schönen Nachricht rein. Unser Podcast wächst immer weiter und wir kommen langsam, aber sicher fast an unsere belgischen Freunde Louis und Robin ran, die, glaube ich, zwei Jahre früher gestartet haben. Ja, und die Info wollten sie uns eigentlich auch nicht geben. Wir haben die so ein bisschen über zwei Wege bekommen. Aber wir kommen immer näher ran und feiern das Ganze heute auch gleich mit einem besonderen Gast. Helge Ruff. Ich hoffe, ich habe es richtig ausgesprochen.
Genau richtig.
Wunderbar. Hi, schön, dass du hier bist. Magst du dich vielleicht einmal ganz kurz vorstellen?
Ja, danke für die Einladung. Also ich bin Helge Ruff, Gründer und Geschäftsführer von OneTwoSocial. Wir sind eine auf Social Media fokussierte Agentur. Ich würde mal sagen, eine der ältesten in dem Feld. Machen das Ganze schon seit so knapp 13 Jahren, würde ich sagen. Und sind ein Team aus so guten 60 Mitarbeitern und fokussiert auf Social Media für große Marken. Also wir haben eher so die Konzernkunden. Wir machen so KFC, Kaufland, Deuter, RTL Zwei, Mövenpick und ja, das sind so unsere Kunden. Und wir kümmern uns darum, dass die Marken halt in ihrer Branche wachsen. Und alles, was dazugehört so.
Also erstmal sehr beeindruckend. Und wir kennen uns ja noch nicht so lange, so ein paar Wochen. Wir haben uns auf einem Event kennengelernt. Was mir im Kopf geblieben ist, ist Schlager. Weil du angefangen hast und gesagt hast, eigentlich hatte ich mit Agentur oder so im Schmier gar nicht so viel am Hut. Das Ganze ist aus so einem anderen Unternehmen entstanden, das eigentlich, glaube ich, mitunter im Schlagerbereich war.
Ja, witzigerweise habe ich mit Schlager auch nichts zu tun. Das ist tatsächlich so. Also ich habe ursprünglich mal in Mannheim BWL studiert, bin dann nach Sydney gegangen und ja, schon während meiner Diplomarbeit ist, ja ich weiß auch nicht wieso, ich habe immer in den Pausen, ich hatte damals eine Fernbeziehung, habe ich so rumgesponnen, was man so für Geschäftsmodelle halt irgendwie umsetzen könnte. Und damals war es halt so, da muss man überlegen, wann war das, 2007. Da saß ich halt immer Ewigkeiten im ICE und mir war eben häufig langweilig. Dann habe ich mir gedacht, na ja, damals war Maxdome die Streaming-Plattform. Und da habe ich mir gedacht, ey, warum macht man sowas eigentlich nicht im ICE?
Habt ihr das denn so durchgerechnet und so weiter. Und fand das Ganze dann irgendwie total cool. Dann habe ich das bei der Deutschen Bahn gepitcht, die dann irgendwie meinten, ja, man bräuchte irgendwie so zwei Milliarden Investment. Dann habe ich mir gedacht, okay, vielleicht suchst du dir ja auch was anderes. Genau. Und ja, dann kam die Idee auf während meines Studiums in Australien, als so E-Commerce komplett durch die Decke gegangen ist.
Das klingt jetzt heute so mega retro. Dabei bist du noch gar nicht so alt eigentlich, gell?
Ich bin vorgestern 42 geworden tatsächlich.
Jung geblieben.
Ja, ich sehe nur jung aus. Aber genau. Und da war es eben so, dass dann auf der anderen Seite StudiVZ so aufkam und man gemerkt hat, die Leute stehen auf dieses Community-Ding und die Leute stehen auf Onlineshop. Dann war unser Gedanke dann so: Warum nicht diese beiden Dinge kombinieren und etwas machen, was man damals Shopping-Community genannt hat. Das war mal ganz kurze Zeit voll der Hype. Gab verschiedene Geschäftsmodelle in den USA, die krass erfolgreich waren. Jellyfish hieß das damals, das hat Microsoft dann gekauft und so. Und das war bei uns irgendwo so auf dem Radar und wir fanden das spannend. Und nach meinem Studium habe ich mir dann einen Geschäftspartner gesucht, haben dann Venture Capital eingesammelt, um diese Plattform aufzubauen. Waren aber natürlich als Founder total unerfahren.
Haben uns dann natürlich durch diese Startup-Bubble gequatscht. Im Sinne von, dass wir natürlich uns mit spannenden Leuten dann umgeben haben und die ausgefragt haben über alles Mögliche, wie das denn so funktioniert, ein Unternehmen zu gründen beziehungsweise eins hochzuziehen. Ja, und mit diesem Geld, was wir dann eingesammelt haben, haben wir dann die Plattform entwickelt und Shopit’s.com gegründet. Deswegen heißt auch die Firmierung von OneTwoSocial noch Shopit’s GmbH. Das ist tatsächlich ein Relikt der Vergangenheit.
Und Shopit’s, der Name ist aus… der Gedanke war mal, es ist so eine Shopping-Community. Es ist wie ein Dorf, die helfen sich alle untereinander. Also damals dieser Community-Gedanke. Und wenn die so quasi wie die Hobbits jetzt noch einkaufen würden, dann wären es quasi Shopits. Ich weiß, das klingt ein bisschen beknackt jetzt mittlerweile.
Nee, geil.
Das ist die Geschichte. Und ja, als wir dann dieses Portal hatten, war das Produktportfolio oder die Produkte, die man dort kaufen konnte, wir waren ein Marktplatz. Das heißt, wir haben externe Produkte angebunden und eingebunden von allen möglichen großen Onlineshops. Und dadurch hatten wir ein viel zu breites Produktportfolio. Also die Zielgruppe war im Grunde genommen jeder. Wir haben so Fashion und Lifestyle verkauft. Und wir haben damals gedacht, na ja, wenn die Zielgruppe riesig ist, ist das Potenzial riesig. Also gehen wir durch die Decke bis zum Gehtnichtmehr. Aber das Problem ist leider, was ich jetzt mittlerweile als Geschäftsführer einer Marketingagentur weiß: Wenn Zielgruppe jeder ist, ist das doch sehr schwer zu bewerben. Im Grunde genommen hast du denn…
Na ja, und das ist auch okay gelaufen, aber nicht okay genug. Und dann kam tatsächlich die jetzige Frau meines Geschäftspartners. Die kam zu uns und meinte, die hat bei GoldStar TV gearbeitet, was der Schlagersender von Sky ist. Und die meinte dann: Wenn ihr das, was ihr da für diese Leute macht, mit diesen Funktionen, sich auszutauschen, Produktlisten zu erstellen und wenn ihr das für Schlagerleute macht, die reißen euch das aus den Fingern. Das ist genau das, was die haben wollen. So haben wir halt überlegt, okay, wie machen wir das dann?
Und ja, so haben wir dann letztendlich ein neues Design draufgesetzt auf diese E-Commerce-Plattform, einen neuen Namen. Und das ging halt dann komplett durch die Decke. Also das ist eine Fokussierung, wenn man so möchte.
Das heißt, Produkte für die Schlager-Community, oder?
Ja, also Konzerttickets, Musik auch, aber viel Merchandise auch. Haben eine Redaktion gehabt, also sehr, sehr viele Storys. Gibt es das noch?
Das gibt es immer noch. Vor kurzem habe ich am Hauptbahnhof das Schlagerplanet-Magazin gesehen und war dann ganz stolz. Das war so ein bisschen Mini-Legacy, wo du gedacht hast, okay, irgendwas ist ja doch schon ganz cool, wenn man halt irgendwo mal was gemacht hat. Ich weiß nicht mal, was von meinem persönlichen Involvement überhaupt überlebt hat.
Voll gut. Also ich fand das auch cool. Aber wie kam dann zum einen der Switch zu Social und warum, du hast es gerade genannt, Schlagerplanet gehört aber nicht mehr zu euch?
Nee, genau. Also wir hatten damals, vielleicht erst der Switch. Wie kam eigentlich überhaupt OneTwoSocial ins Spiel? Als wir damals Shopits noch gehabt haben, haben wir am Anfang auf StudiVZ, das war einfach so, ich war da angemeldet, ich habe das irgendwie super intensiv genutzt. Und irgendwann kam so der Gedanke auf: Warum benennt sich dann nicht ein Unternehmen, also du benennst deinen Namen eben nach deinem Unternehmen und lädst als Profilbild halt dein Logo hoch und schreibst Leute an, damit die auf dich aufmerksam werden? Und das haben wir dann gemacht.
Und damals, so Spam in dem Sinne, gab es damals gar nicht so richtig. Also rückwirkend betrachtet würde man sagen, wir haben krass Leute vollgespammt und bis es nicht mehr ging. Sondern wie gesagt, heute sind deine Nachrichten aufgebraucht. Aber die Leute fanden das damals komischerweise gut. Die haben dann gesagt, die waren das nicht gewohnt, von Unternehmen in so einer 1:1-Kommunikation angeschrieben zu werden. Und wir haben die dann auf unser Portal und bestimmte Kernprodukte hingewiesen, die besonders cool waren und so. Und die haben gesagt, geil, cool, gucke ich mir an oder melde ich mich an. Haben so verschiedene Aktionen gefahren, um User da zu generieren. Und das fanden die dann gut.
Und dann haben wir das halt irgendwann genauso gemacht, als dann Facebook nach Deutschland kam. Und man muss es sich ja so vorstellen, damals gab es kein Newsfeed oder irgendwas. Damals gab es halt einfach nur 1:1-Kommunikation. Es war auf Facebook nicht anders. Das hat sich dann irgendwann geändert. Dann gab es Unternehmensseiten und es gab diesen Newsfeed, wo am Anfang alle geschrieben haben, das ist das Ende von Facebook mit dem Newsfeed. Irgendwann würde man das wahrscheinlich anders bewerten.
Und wir haben da für uns viel ausprobiert, was man machen kann, um Menschen dafür zu interessieren, was wir als Unternehmen so machen, beziehungsweise eben auch für unsere… also wir haben einfach herausgefunden, was man machen muss, damit die Leute das tun, was wir wollten, dass sie tun. Was zum Beispiel bedeutet, mit Inhalten zu interagieren, was bedeutet, auf unsere Seite zu gehen. Einfach, weil wir viel, viel ausprobiert haben, mit der Naivität der Gründer.
Und irgendwann war das dann so, dass unsere Werbepartner auf uns zukamen, die auf der Plattform Werbung geschaltet haben oder Partner waren. Die meinten dann: Nee, heute geht es mal nicht um Werbung schalten bei euch, sondern heute geht es darum, wir würden gerne, dass ihr uns das beibringt, was ihr da auf diesem Facebook macht. Und wir zahlen euch auch Geld dafür. Wir stellen uns vor, das ist so ein Workshop. Und es wäre ganz cool, wenn ihr uns danach noch so eine Strategie erstellt. Und da wussten wir erstmal gar nicht, wie wir darauf reagieren sollten.
Ich habe erstmal einen Kumpel von mir angerufen, der bei McKinsey gearbeitet hat. Ich dachte, ey, sag mal, wie läuft denn sowas? Ihr macht das doch auch so ungefähr, oder? Er meinte so, ja, so ungefähr. Und er hat mir das dann erklärt, wie man das halt so mit dieser Rechnungsstellung macht. Und das war dann so unser erster Auftrag. Das fanden die dann total super. Haben uns im Nachhinein… weil dieses Facebook, also haben die das dann betitelt. Das Interesse bestand, das war schon irgendwo da. Das kam so auf und das war so unterm Radar. Alle haben sich so ein bisschen darüber unterhalten.
Und na ja, so war es dann so, dass die uns da überall weiterempfohlen haben. Die standen dann alle bei uns auf der Matte und wollten das auch, dieses Facebook, haben. Und dann haben wir gesagt, okay, was ist denn hier los? Wir sind doch keine Agentur. Und dann haben wir uns irgendwie mal in den Geschäftsfaden gehalten. Ich habe uns dann so in die Augen geguckt und dann meinte sie, ja, warum eigentlich nicht? Sondern wir brauchen halt Geld für diesen Umschwung von Shopits zu Schlagerplanet. Also so heißt die Plattform. Schlagerplanet.com. Da könnt ihr gerne mal nachgucken. Das müsste es eigentlich noch geben. Und genau, diese Finanzierung, die hat für uns eben dieses Agenturgeschäftsmodell geboten.
Und dann haben wir halt einfach immer diese Schulungen und Strategien verkauft. Dann kamen irgendwann Betreuungen dazu. Und das war alles so low level. Wir haben damals Betreuungen gemacht. Ich glaube, dass wir mal 600 Euro im Monat dafür bekommen haben, da haben wir uns schon abgefeiert. Also da kriegst du jetzt natürlich, kannst dann nicht mehr viel machen. Und ja, dann war einer der ersten Kunden Stadtwerke Pforzheim. Grüße.
Sehr cool.
Die einer unserer Kunden waren. Dann hatten wir einen Typen, der hat ein Segelboot vermietet. Das war Scansales, hieß der noch. Genau. Und ja, so hat das dann irgendwann immer weiter… dann kamen irgendwann so verschiedene Kochtitel dazu, ja, Lava, Lichter, lecker und so weiter, kamen dann vom ZDF dazu. Und so wuchs das Ganze dann mit den Marken. Und ich glaube, so der erste Fette war KFC, die dazukamen. Der war dann so, wo wir gesagt haben, okay, jetzt sind wir wirklich Agentur.
Stark. Und wie habt ihr dann Schlagerplanet…?
Ja, das haben wir getrennt. Also mein Geschäftspartner, dadurch, dass er natürlich mit seiner Frau da eine engere Beziehung zu hatte als ich… also ich fand das natürlich auch so ein bisschen immer so reingestiefelt. Dann kriegst du dann immer mehr mit. Aber letztendlich haben wir das getrennt. Also ich habe halt Agentur gemacht, ich habe die Kohle reingeholt, wenn man so möchte. Und mein Geschäftspartner hat sie für die Entwicklung der Plattform und das Wachstum der Plattform wieder ausgegeben.
Und dadurch, dass wir auch als Agentur genau wussten, was man machen muss, um eine Marke groß zu machen, war es dann auch uns möglich, Schlagerplanet innerhalb, ich glaube innerhalb eines Jahres oder nicht mal, waren wir dann die Größten in dieser konservativen alten Branche Schlagermusik. Waren wir die Größten, die es halt im Online-Business da gab. Und das war schon bemerkenswert, weil die alle gesagt haben, wo kommen die denn daher? Und die haben alle gedacht, wie ist das so krass? Das ist ja so eine krasse Riesen-Company. Letztendlich waren wir da irgendwie so fünf Hansel, die alle da saßen und irgendwie was gemacht haben. Oder zehn vielleicht, ja.
Stark. Also deswegen, das ist mir im Kopf geblieben. Ich glaube, die Zuhörer*innen wissen jetzt auch, warum. Coole Geschichte. Agentur by accident.
Ja.
Witzige Reise. Jetzt lass uns doch mal mehr in die Zukunft gehen beziehungsweise auch jetzt in die aktuelle Zeit. Du hattest im Vorgespräch eine Veränderung im Social Media angesprochen. Kannst du uns da einmal einen kurzen Einblick geben, was so die größten Veränderungen aktuell aus deiner Sicht sind?
Ja, also Veränderungen habe ich ja eigentlich im Laufe meiner Social-Media-Karriere, wenn man die jetzt mal so für mich als Agentur schätzt…
Du hast alles mitgemacht.
Ja, tatsächlich. Also StudiVZ rechne ich jetzt nicht mehr dazu. Also ich würde mal sagen, das hat so ernsthaft bei uns mit Facebook angefangen. Dann irgendwann so der zu Instagram rüber, beziehungsweise dann kamen eben die anderen, dass irgendwann auch LinkedIn mal irgendwo stärker im Fokus stand. Aber das war eigentlich alles immer ein bisschen, abgesehen davon, dass es andere Plattformen waren, war es ein bisschen same same. Man hat eben drunter überlegt, wie man als Unternehmen, beziehungsweise wir eben als Social-Media-Experten, das, was Marken ausmacht, was die Produkte ausmacht, für deren Zielgruppe in Szene setzt. So, und das haben wir dann eben gemacht.
Und der große Shift, den du gerade angesprochen hast, der ist dahergekommen, dass TikTok was in den Markt gebracht hat, was es vorher gar nicht gab. Also TikTok ist meine absolute Passion-Plattform. Ich bin ja selber auch sehr aktiv in meinem Kanal und zeige halt so Best Cases. Na ja, und TikTok hat den Leuten eigentlich gezeigt, dass es etwas gibt in Social Media, was sie vorher noch nicht so bewusst kannten, was sie aber viel cooler finden als diese ästhetische, auf Beauty ausgelegte Instagram-Welt. Und das ist Mehrwert tatsächlich.
Also auf TikTok… Mehrwert muss man, glaube ich, kurz erklären, damit man das versteht, wenn man denkt, wo ist denn da der Mehrwert bei diesen witzigen Videos? Da gibt es ja gar keinen Mehrwert. Doch, das ist ein Mehrwert. Und zwar ist es Entertainment. In dem Moment, wo du dir ein witziges Video anguckst, ist der Mehrwert Entertainment. Und es gibt drei Möglichkeiten, Mehrwert zu liefern. Du kannst entweder Leute educaten, du kannst sie entertainen oder du kannst sie inspirieren. Diese Möglichkeiten gibt es.
Und TikTok, das hat auch nicht TikTok erfunden. Das haben die User da erfunden, wenn man so möchte. Aber die Leute haben gemerkt, die User auf TikTok, dass das etwas ist, was sie viel lieber anschauen als diese Beauty-Welt auf Instagram. Weil Instagram ist darauf ausgelegt, den Menschen… also natürlich auch nicht überall. Aber sag ich mal so, wenn man von Instagram gesprochen hat, dann hat man davon gesprochen, von den Influencern, von schönen Bildwelten, von der schönen heilen Welt. Die vorher immer sagen, ja, das ist ja alles fake und so weiter. Aber ist ja auch egal, ob es fake oder real ist. Aber es ist einfach… ich möchte den Dingen… oder es ging darum, auf Instagram Menschen schöne Sachen zu zeigen.
Das Ding ist aber, dass die Leute gesehen haben, es gibt mir viel mehr, Mehrwert zu erfahren durch Content, als mir einfach nur irgendwelche Sachen anzugucken tatsächlich. So, der Unterschied ist, dass ich am Anfang, also dass ich mit Ästhetik, sag ich mal, den Mehrwert der Schönheit oder der Inspiration oder was auch immer da erfahre. Aber die Leute haben gemerkt, das reicht mir eigentlich gar nicht mehr. Der Mehrwert, den ich auf TikTok erfahre, der ist viel höher. Das heißt, es gibt mir mehr, diesen Content da zu konsumieren.
Ob ich jetzt zum Beispiel mir… es gibt Sachen, es gibt ja Leute… wir haben zum Beispiel eine Zeit lang unfassbar krass an unsere Kunden PowerPoint-Präsentationen verkauft, die so C-Level-mäßig sind, weil die einfach total abgefahren sind. Die Skills haben Mitarbeiter auf TikTok gelernt und haben dann irgendwann mal gedacht… das ist Zufall eigentlich, dass das ein Kunde angefragt hat. Dann haben immer mehr angefragt, immer mehr und immer mehr. Krass, oder? Machen wir jetzt auch nicht mehr. Aber es war eher so ein White-Produkt, weil wir das halt einfach für unsere Kunden gut unterstützen konnten.
Und diese Sachen tatsächlich, die hat TikTok reingebracht in Social Media und die siehst du mittlerweile auf allen Social-Media-Kanälen. Absolut, ja. Du siehst es auf LinkedIn. Wenn ich sage, hier auf LinkedIn nimmt das ja immer teilweise so groteske Züge an, wenn… ich weiß noch, als Argentinien Weltmeister geworden ist und dann die Gurus auf LinkedIn gepostet haben, die fünf Leadership-Lessons, die ich davon gelernt habe. Also wenn man so möchte, ist das eben Education, wo man sagt, hey, da geht es eben um Aha-Erlebnisse, um Gedanken, die ich vorher nicht gehabt habe und so weiter. Und diese TikTokisierung, wenn man sie so bezeichnen möchte, die findest du auf jedem Social-Media-Kanal.
Das sind auch mittlerweile… die richtig guten Instagram-Reels sind eigentlich TikToks. Und wenn man sich immer sagt, Dinge funktionieren dann gut. Dinge funktionieren dann gut, wenn sie Menschen begeistern. Und Begeisterung entsteht wirklich durch Mehrwert. Und Ästhetik ist einfach… also wenn man so möchte, das reicht den Menschen nicht aus. Es ist als Mehrwert nicht stark genug tatsächlich.
Und dieser Shift, der ist aber fundamental, weil der Prozess ganz anders funktioniert. Ich gehe nicht mehr so ran wie früher so: Hey, was haben wir hier Cooles als Unternehmen? Und das ist auch ein Riesenproblem, weil das eben gelernte Denkmuster sind. Die Leute sitzen in den Marketing-Abteilungen und sagen: Hey, was haben wir hier Cooles? Was wollen wir, dass die Leute da draußen wissen sollten? Aber das Problem ist, an Social Media muss niemand irgendwas wissen. Wenn die Leute einfach keinen Bock drauf haben, dann sagen die, gucke ich mir nicht an. Richtig. Und das funktioniert so eben nicht mehr.
Und das hört sich vielleicht gar nicht so dramatisch an, so nach dem Motto, ja, dann mach doch einfach Mehrwert-Kommunikation. Das ist sicherlich richtig. Aber die Prozesse, um das zu erstellen, haben nichts mehr mit dem zu tun, was wir vorher gemacht haben. Und das ist tatsächlich aus meiner Sicht der größte Umbruch. Weil man einfach nicht mehr so arbeiten kann, wie man vorher gearbeitet hat. Und früher ging das, egal ob du jetzt irgendwie so Instagram oder Facebook und so weiter gemacht hast. Die Inhalte sahen natürlich irgendwie anders aus und wurden auch ein bisschen anders gemacht. Aber du konntest mit den gleichen Prozessen arbeiten und mehr oder weniger auch mit den gleichen Skills. Und das geht jetzt einfach überhaupt nicht mehr.
Wenn du von Prozessen sprichst, wie muss sich eine Agentur deiner Meinung nach aufstellen? Oder wie habt ihr diese Prozesse verändert, indem ihr sagt, okay, altes Medium…?
Ja.
Innerhalb dieser Medien sind alte Medien drin und jetzt neues Medium. Und ich glaube, das ist ja das, was du sagst, diese Vielfältigkeit, die Möglichkeiten, die man auf TikTok hat und dadurch die auf andere Kanäle gegangen sind. Aus dem Grund, weil der Mehrwert auf einmal wirklich als Mehrwert dargestellt werden konnte.
Genau. Es ist nicht mehr dieses Gebabble nur von Bildchen und Ästhetik, sondern es ist auf einmal mehr Tiefe in verschiedene Richtungen. Und ich meine, auch der Algorithmus, wenn ich ihn ansprechen darf, der geht halt auch nicht so wie früher: Ich bin nur in der Bubble, der ich folge. Sondern er geht halt in die Richtung, für was ich mich interessiere. Und dadurch wird es halt nochmal doppelt spannend.
Exakt. Und das macht aber auch die Messlatte noch viel krasser. Weil genau… also wie kann man sich so einen Prozess vorstellen tatsächlich? Das ist eine gute Frage. Im Wesentlichen ist es halt so, dass der alte Prozess so ein bisschen war: Hey, was habe ich? Was wollen wir kommunizieren? Aber der Grundgedanke funktioniert ja schon gar nicht mehr. Dadurch, dass ich mich natürlich bei der neuen Kommunikation, du hast es gerade super beschrieben, es geht gar nicht um die Plattform an sich. Es geht gar nicht um TikTok oder so. Sondern es geht um alte Medien im Sinne von, ja, wenn man so möchte, Produkt- und Markenkommunikation. Das ist halt einfach unter der jetzigen Betrachtung der User auch einfach nur Werbung.
Aber wer interessiert sich für Werbung? Niemand interessiert sich für Werbung. Also das ist einfach so. Da werde ich wahrscheinlich auch viele, die den Podcast hören, so ein bisschen vor den Kopf stoßen. Also Werbung hat total seine Berechtigung. Aber im Sinne von Social Media muss man das anders angehen, damit die Leute sich dafür interessieren. Weil sie machen das ja freiwillig. So. Und das heißt, der Prozess geht im Wesentlichen so los, dass ich mich erstmal damit auseinandersetze, was Menschen interessiert in meiner jeweiligen Bubble, die ich gerne ansprechen möchte. Und ich glaube, das Wort Bubble trifft es auch tatsächlich viel mehr als Zielgruppe. Weil wie du es gesagt hast, es geht nicht mehr um Demographics, wenn du so möchtest, oldschool. Es geht halt um Mindset. Und das Mindset von Menschen, das ist nicht unbedingt demografieabhängig.
Wenn du jetzt ein Beispiel nimmst, Fridays for Future. Da hast du halt eine 17-Jährige, die auf die Straße geht. Und du hast aber einen 56-jährigen Mann, der auch auf die Straße geht. Mindset ist gleich. Demographics komplett unterschiedlich. Und das heißt, daran anzusetzen, ist halt viel smarter, als einfach nur zu sagen: Hey, wie alt sind die Leute? Was ist dein Einkommen, Haushalt etc. pp.? Weil du so eine bessere Möglichkeit hast, die Leute bei ihrem Interesse zu packen.
Und das ist halt der wesentliche erste Step. Wenn du so möchtest, um solche Assets zu erstellen, brauchst du vier Elemente. Du brauchst ein Thema, was die Leute wahnsinnig spannend finden. Und da merkst du schon alleine aus der Logik, kannst du mit dem ganzen „was haben wir im Unternehmen“ schon gar nicht mehr ankommen. Weil wer interessiert sich wirklich tief im Inneren für ein Unternehmen? Wenn du nicht Apple bist oder Nike oder sonst irgendwie was. Aber selbst die gehen ja über Themen. Die machen Nike Football. Da geht es halt um Fußball. Und dann bauen die die Schuhe mit ein und bauen die Klamotten mit ein und so weiter und so fort. Also selbst die machen das ja auch. Das haben wir ja auch nicht erfunden.
Und das zweite Element ist, wenn du halt ein Thema gefunden hast, was, man muss da wirklich unterscheiden, Themen, die spannend sind und Themen, die unfassbar spannend sind. Und das ist etwas, was man kreieren muss. Da haben wir alleine für diesen Prozessschritt eine Methodik, um von einem coolen Thema zu einem unfassbar geilen Thema zu kommen. Weil nur ein unfassbar geiles Thema die Basis für das Interesse der User setzt. Das heißt, wenn du ein Asset siehst, bleibst du irgendwo stehen und dein Unterbewusstsein gibt dir mit, worum es geht.
Das bedingt aber, dass du das Asset auch so erstellst, dass du sofort über das Unterbewusstsein darauf schließen kannst, worum es hier geht. Und das muss dich von der ersten Sekunde, zumindest unterbewusst, wegflexen, damit dein Gehirn die Bereitschaft hat, sich auch den Rest von dem Video reinzuziehen. Das ist wahnsinnig, wahnsinnig schwer.
Dann ist der zweite Step halt ein Skript. Wenn du so möchtest, ist halt, du überlegst dir, über welchen Mehrwertansatz du eigentlich dein Thema kommunizieren möchtest. Also möchtest du eher educational rangehen, würdest du eher entertainmentmäßig oder inspirational? Du kannst es auch mixen, das ist eigentlich egal. Du kannst von mir aus alles machen. Es geht nicht um Trennschärfe, sondern es geht darum, dass man sich bewusst ist, überhaupt Mehrwert einzubringen. So, und dann macht man das. Diese Story, das Skript, ist sozusagen die Struktur, mit der du dein Thema kommunizierst, damit die Leute auch wirklich dranbleiben. Was ebenfalls eine gewisse Wissenschaft für sich ist, das gut zu können.
Dann hast du die eigentliche Content-Produktion selber, das ist das dritte Element. Da gibt es auch zigtausend Dinge zu beachten. Und der letzte Punkt ist Editing. Und das Editing ist so, wenn du so möchtest, das ist nicht… das ist übrigens auch ganz, ganz oft missverstanden. Editing denken die Leute so, ja, packst du so Emojis mit rein und so weiter. Darum geht es nicht. Also das ist jetzt schlechtes Editing. Geiles Editing ist wie ein Booster für deine Kernstory. Das heißt, das, worauf du eigentlich hinaus möchtest, muss das Editing maximal verstärken. Was heißt aber auch, hast du ein scheiß Thema, hast du eine schlechte Story, kann das Editing das jetzt auch nicht mehr retten. Also das ist so. Und da siehst du halt, wie schwierig das ist. Das ist vom Prozess her schon krass.
Hammer. Also erstmal vielen Dank, dass du uns überhaupt teilnehmen lässt. Das sind ja auch Internas quasi.
Ja, wir verkaufen das ja mittlerweile auch als Know-how. Deswegen.
Brutal. Also ich kann das… wir sind ja aus der ähnlichen Branche. Ist ja auch schön, dass man zusammensitzt und einen Podcast machen kann. Aber ich kann das so krass mitgehen, was du gerade alles gesagt hast. Weil das… ich meine, wir haben einen Ad-Blocker drin.
Ja, genau.
Also wir haben einen Ad-Blocker drin. In unseren Gehirnen. Wir haben die nicht nur im Browser. Wir haben die nicht nur im Handy. Wir haben sie im Kopf. Und auf Social Media erwarte ich einfach keine Werbung. Deswegen will ich sie dort auch nicht sehen. Und deswegen muss ich mich mit Werbung reinsneaken. Und das schaffe ich nur, wenn ich Dinge tue, die nicht nach Werbung ausschauen. Und ich glaube, du hast auch einen Punkt gesagt mit der Sekunde. Ich glaube, bei 1,4 Sekunden ungefähr liegen wir.
Ja, ja, ja.
Genau. Und ich glaube… ich meine, wir haben ja auch BWL studiert, da lernt man halt dann, was es für Marketingreize gibt und so weiter. Also ich glaube, ich kann mich noch erinnern, es gibt den kognitiven Reiz, es gibt den physischen Reiz und den emotionalen. Das waren so die drei großen. Also emotionales Beispiel oder ein Baby oder irgendwas. Und der kognitive, der bleibt mir bei Social Media immer im Kopf. Weil ein Professor damals zu mir gesagt hat, Sinnbild für einen kognitiven Reiz ist ein Eisbär, der durch die Wüste läuft. Weil du denkst dir halt in der ersten Sekunde sofort, hä, was ist das? Und dann bleibst du hängen.
Und diese ganzen Sachen haben sich schon, glaube ich, mitgetragen. Aber es hat sich grundlegend verändert, weil ich halt nicht nur das eine Plakat sehe, sondern ich sehe hunderte Plakate und ich muss es schaffen als Werber oder als Unternehmender, dass die bei meinem Plakat hängenbleiben.
Total. Also im Endeffekt hast du recht natürlich. Diese visuellen Reize, die bleiben natürlich bestehen. Also wenn wir uns mal von der Hook… ich sage immer die Hook, aber eigentlich nicht die Hook. Aber es hat sich irgendwie so eingebürgert, die Hook zu sagen.
Genau.
Also die Hook kannst du ja auf verschiedene Art und Weise machen. Du kannst eine textliche Hook nehmen, du kannst eine auditive Hook nehmen. Also du kannst was sagen oder einen Sound einblenden oder sowas halt. Oder du kannst es halt kombinieren. Also da gibt es halt verschiedene Dinge, wie du das eben machen kannst tatsächlich. So. Und dann gibt es auch verschiedene Techniken, wie man das eben gut machen kann oder nicht.
Jetzt mal ganz, ganz simpel gesprochen: Wenn es darum geht, wir haben ein Consulting-Produkt, also wir haben so zwei große Geschäftsbereiche. Also OneTwoSocial an sich ist so die Agency für große Brands. Und dann haben wir ein Consulting-Produkt, wo wir die gleichen Methodiken an kleine und mittelständische Unternehmen verkaufen und die dann begleiten, das Ganze so umzusetzen.
So. Und wenn wir zum Beispiel unser Consulting-Produkt verkaufen und Leute ansprechen, die für das Thema Social Media verantwortlich sind, um denen weiterzuhelfen, dann ist es zum Beispiel wichtig, diese Buzzwords wie Social Media oder mit anderen Dingen, die die eben im Mindset relativ weit vorne haben, dass du die in der Hook nennst, möglichst ganz, ganz, ganz am Anfang. Warum? Weil die Algorithmen… also erstmal ist es wichtig, dass die Person hängen bleibt. Und dann lernen auch die Algorithmen, die Leute anzusprechen, die… also du, wenn du so möchtest, trickst das halt weiter in die Bubble. Selbst mit Advertising, die richtigen Leute zu erreichen.
Es geht aber darum, die richtigen Leute zu erreichen. Du musst eben gucken, dass die richtigen Personen, die sich eben für deine Inhalte interessieren, die eben wie Magneten an bestimmte Buzzwords kleben bleiben, die immer zu erreichen. Das ist, wenn du so möchtest, bei jedem einzelnen Step, also unser Content-Creation-Prozess, das ist so der Kernprozess, der hat jetzt, keine Ahnung, aus dem Bauch aus würde ich mal sagen, so 15 bis 20 Mini-Steps da drin. Und jeder Mini-Step beinhaltet eine Methodik, wie ich diesen Step eben richtig mache. Das klingt jetzt so mega aufwendig. Wenn du das halt routiniert drin hast, ist das gar nicht so mega crazy.
Ja, und wahnsinnig viel Psychologie, die einfach durchgehend greift. Auch das ist, glaube ich, so das Kernelement, dass der Mitarbeiter oder man selbst doch eigentlich immer sich reindenken muss wieder in den User. Was will ich sehen? Und gleichzeitig bediene ich noch einen Algorithmus. Ganz krass.
Also ich meine, haben wir ja auch im Studium gelernt. Man hat zuerst so: Was habe ich für Mehrwert als Unternehmen? Und dann muss ich mich aber darum kümmern: Was für einen Mehrwert will überhaupt meine Zielgruppe? Und mit dem Mehrwert muss ich mich eigentlich viel, viel mehr beschäftigen. Das hast du, glaube ich, sehr, sehr gut beschrieben.
Ich muss an der Stelle sagen, wir haben eigentlich auch so einen Hook bei 25 Minuten. Das ist so der Durchschnitt, wenn man hier den Podcast hört. Wir sind drüber. Und für alle Zuhörer: Bleibt jetzt noch dran, weil wir haben noch eine sehr, sehr spannende Frage. Also jetzt brauche ich ja immer so einen Zwischenhook ein, weil mich die brutal bei dir interessieren würde.
Ja.
Ich gehe mal noch ein in eine unserer letzten Folgen. Da durften wir beziehungsweise unsere belgischen Kollegen mit Michael Farmer sprechen.
Geiler Typ.
Ja, cool. Und der darf ja wirklich so ein bisschen raussagen, was er wirklich denkt. Und da war ja ein ganz spannender Punkt, dass Agenturen sich wieder dahin entwickeln müssen, dass sie ihre Partner und ihre Kunden letztendlich weiterentwickeln wirklich und nicht so diese Dienerstellung oder einfach Zuarbeiterstellung haben. Wie wichtig siehst du den Punkt als Erfolgsfaktor für Agenturen?
Aus meiner Sicht, gerade in unserer jetzigen Situation, ist das ein absolutes Must-have. Warum? Die Art der Kommunikation, die wir jetzt gerade fahren, die wirklich… also 10x bis, keine Ahnung, wir haben teilweise Ergebnisse, die sind hundertfach so krass wie die vorher. Kommen wir auch direkt zu dem Gedanken, warum man das nicht immer schon so gemacht hat. Aber anderes Thema.
Das Ding ist, die Art und Weise der Kommunikation ist halt komplett anders, wie man das vorher gemacht hat. Man geht eben nicht mehr so raus und sagt halt, hey, Brand, CI und so weiter und so fort und was nun? Was sind unsere Markenwerte und wie kommunizieren wir das hier und so weiter und so fort? Sondern das ist eine ganz andere Herangehensweise.
Und wir haben eben festgestellt, dass unsere Methodik nur dann wirklich zur kompletten Anwendung findet, wenn der Kunde die im Grunde genommen auch kann. Das bedeutet, wir bringen das unseren Kunden bei, das auch so zu machen. Aber die kaufen ja nicht bei uns jetzt diese Methodik ein und sagen so… die könnten sich auch einfach das Consulting-Produkt für den Bruchteil des Preises buchen. Darum geht es ja nicht. Sondern die Kunden kaufen bei uns Beratung, Erfahrung und Kreativität. Und das kannst du natürlich damit nicht abdecken.
Das bedeutet, also ich vergleiche das immer so. Wir haben diesen Prozess und ich kann dir sagen, wenn du das so machst, dann steigerst du die Wahrscheinlichkeit, dass du erfolgreich bist, extrem. Ich habe selber einen TikTok-Kanal, wo ich das einfach mal ausprobieren wollte, ob das auch für Personal Brands funktioniert. Schwuppdiwupp habe ich halt nach drei Monaten auf meinem TikTok knappe zwei Millionen Views. Ich habe mehr Videos gemacht, die viral gehen, als die, die nicht viral gehen. Warum? Weil ich das ganz stumpf so mache, wie wir das mit unseren Kunden machen.
Und das geht aber nur, weil das so anders ist. Du musst es dem Kunden erklären und er muss das in der Tiefe verstanden haben, damit er eine Bereitschaft hat, diese ganzen Sachen, die teilweise jahrzehntelang gelernt wurden, hinten anzustellen. Wir haben halt zum Beispiel Versicherungen, die wir betreuen, die immer rausgehen und sagen: Hey, hier Reisezusatzversicherung und so weiter. Ey, sorry, aber wenn du in Social Media eine Reisezusatzversicherung bewirbst, das interessiert ja niemanden. Das heißt, du musst immer über Bande spielen. Du kannst nur über ein Thema, was am Interesse geknüpft ist, ankommen.
Wenn du aber das jemandem erzählst, der das eben jahrzehntelang gemacht hat, dann denkt der, du bist wahnsinnig. Was erzählst du da für einen Scheiß? Du machst meine Marke kaputt und so weiter. Dass es aber nicht so ist und dass sich die Welt verändert hat, das musst du denen klar machen. Und wir machen mittlerweile, das ist wie so eine Art Roadshow, dass wir einen Grundsatzvortrag halten, um die Abteilung abzuholen und mitzunehmen. Du musst die ready machen für diese Reise, dass die Welt jetzt anders tickt, als sie das gewohnt sind. Und dass es nur die Möglichkeit gibt… es gibt auch das Alternativlos. Wenn du dich nicht darauf einlässt, wirst du ausfaden in Social Media. Es ist so in Social Media.
Am Anfang waren wir die… wir waren der verlängerte Arm der Praktikanten vor 13 Jahren und so die Spinner, die da mit diesem Social Media ankamen. Und mittlerweile sitzen wir halt bei den CEOs und auf C-Level. Und wenn du denen aber einfach nur diese ganzen Dinge vorsetzt und sagst, so hast du das zu tun und so hast du das zu tun, dann sagen die… wenn die das nicht verstehen, sagen die, sorry, check ich nicht und will ich auch nicht. Und so ist es im Unternehmen auch.
Total. Und ich glaube, mit Bereitschaft triffst du echt einen Kernpunkt, weil es gibt ja nichts Schöneres, wie einem Kunden sich die Bälle zuzuspielen, anstatt immer der zu sein, der den Impuls gibt und halt ankämpfen muss im Prinzip.
Es ist auch ein total schönes Erlebnis, also was komplett Neues reinzubringen. Und wir haben sehr, sehr lange an dieser Story getüftelt, wie man dem Unternehmen klar macht, dass das die maximal bessere Variante ist. Und dann hast du zum Ende dieses Vortrags so dieses… du siehst den Leuten das in den Gesichtern an, wie der Groschen fällt. Das ist unfassbar geil. Das äußert sich dann immer anders. Dass sie dann hibbelig werden oder dass Leute einfach gar nichts mehr sagen. Und du denkst so, okay, jetzt habe ich… ist alles okay. Aber dann müssen wir ja alles anders machen.
Richtig, genau so ist es.
Genau so ist es. Und dann ist es zum Beispiel auch diese Themenauswahl am Anfang. Das ist total cool, wenn wir zum Beispiel von Kunden Themen bekommen, die denen wichtig sind, das hat sich auch nicht verändert. Aber dass die dann schon sagen: Hey, pass mal auf, das Thema ist… jetzt mal als Beispiel, wir haben einen B2B-Kunden, einen sehr großen, und die haben zum Beispiel… früher war das halt so, dass die gesagt haben: Hey, mach mal einen Post, dass wir auf der Messe sind. Und in meinem jetzigen Wissensstand sage ich: Hey, nobody gives a shit. Wen interessiert das, dass ihr auf der Messe seid? Da musst du einen anderen Ansatz finden. Du kannst es ja trotzdem kommunizieren und du musst anders rangehen an die Sache.
Diese Methodik findet dann eben in diesem Thema einen Punkt, der so spannend ist, dass die Leute komplett Bock drauf haben tatsächlich. Und dadurch, dass die Kunden das eben auch schon wissen, das ist dieses, wir nennen das Framing, den spannendsten Punkt innerhalb eines Themas zu finden. Und die kennen das und die kommen schon mit einer Art vorgeframten Idee an, was natürlich die Zusammenarbeit unfassbar erleichtert, weil wir an einem ganz anderen Punkt ansetzen tatsächlich. Und das ist dann tatsächlich… also es wird nicht nur effizienter, sondern auch viel besser. Den Kunden macht es viel mehr Spaß.
Also dieser B2B-Kunde, der besagte eben gerade, die haben noch verschiedene Tochterfirmen und die reichen uns da gerade überall rum, dass wir denen das auch beibringen. Und dann siehst du so die Momente, wo die Ansprechpartnerin aus dem Mutterkonzern, wenn die in so eine Educational-Rolle, so eine Teacher-Rolle schlüpft und dann den anderen das so ganz stolz erklärt, wie sie es macht. Ich finde das unfassbar cool. Ich meine, ich feiere das komplett.
Brutal. Wir sind leider voll drüber, deswegen müssen wir leider zur letzten Frage schon kommen. Aber ich finde, die passt auch bei dir sehr, sehr gut, weil wir jetzt schon viel darüber geredet haben, wie dieses Facebook entstanden ist bis heute, was TikTokisiert ist, glaube ich hast du es genannt, weil ich es sehr schön finde. Was ist in drei Jahren? Also wenn wir in drei Jahren nochmal hier drin sitzen, welche Frage würdest du dir von uns wünschen, die wir dir stellen, weil sich vielleicht nochmal was verändert hat? Oder wo du sagst, da haben wir uns einfach weiterentwickelt und deswegen möchte ich so eine Frage gestellt bekommen?
Ich sehe da zwei Themen. Einmal AI und einmal… ich merke schon, du bist vorbereitet.
Nee, es ist tatsächlich, weil ich mir die Frage vor kurzem gestellt habe. Also ich bin ja so ein Social-Media-Suchti und ziehe natürlich auch alles irgendwie rein und meine Bubble beschäftigt sich automatisch mit diesen Themen, was kommt, weil ich mich ja auch darauf vorbereiten muss. Und einmal sehe ich das Thema AI, wo wir aber schon sehr, sehr stark dran sind. Und wir sind da mit einer sehr, sehr coolen AI-Beratung, kann ich auch gerne nennen hier, Empowery heißen die, aus Rosenheim, ein guter Kumpel von mir, der unfassbar fit ist, mit dem wir das Thema schon für uns letztendlich auf unsere Art und Weise bei uns implementieren, sodass uns das auch in unserem Prozess weiterhilft.
Das, glaube ich, wird einen Riesen-Impact haben. Ich sehe das ein Tickchen anders, wie das der Michael gesagt hat. Ich glaube, dass das nicht zwangsläufig zu weniger… es kommt natürlich auf das Geschäftsmodell der Agentur an. Aber dass es nicht unbedingt zu weniger Stunden führt, sondern in erster Linie sehe ich halt viel besseren Output tatsächlich. Und ich weiß auch noch nicht so ganz genau, wie das da aussieht, aber das, denke ich, wird eine ganz, ganz große Sache sein.
Und das andere ist eben tatsächlich, also in meinem Fall, wie verändert sich Social Media? Ich sehe das noch nicht so mit dem Metaverse, muss ich gestehen. Weil gerade nach Covid die Leute natürlich auch sich danach sehnen nach persönlichem Austausch, nach Realness. Und das ist das Gegenteil von Realness. Das ist auch das Gegenteil von der Instagram-Welt. Also alles wird ja immer mehr, wenn man so möchte. Das Realness ist die neue Hässlichkeit oder so, oder das Authentische tatsächlich. Und das wäre das Gegenteil.
Aber egal, das ist ein anderer Punkt. Aber Social Media plattformtechnisch, ich glaube, wenn man sagt, was kommt nach TikTok oder so, oder gibt es überhaupt was danach? Dann würde ich das so beantworten: Ich weiß es nicht. Es gibt aber eine Möglichkeit, wie jede Social-Media-Plattform der vorherigen das Wasser abgraben kann. Und zwar, indem sie den Suchtdis das geben, was sie haben wollen, und zwar Reach. Das bedeutet, wenn eine Plattform in der Lage ist, mir so viel Reach zu geben, wie ich das nirgendwo anders kriege, dann ist es genau wie bei TikTok. Dann lassen die Leute halt bei Instagram die Griffe fallen und sagen, ey, TikTok, das geht hier voll durch die Decke. Du musst da hin. Das ist einfach voll abgefahren. Ich kriege hier, was ich will. Ich kriege Views, ich kriege Likes, ich kriege Follower, ich kriege Interaktion. Und das ist auch der Grund, warum die Leute, vor allem die Creator, jetzt auch ein bisschen die Lust an Instagram verlieren, weil die merken, da geht nicht mehr so viel, ohne dass ich Money reinstecke.
Absolut. Da brauche ich trotzdem noch eine Folgefrage, auch wenn wir uns in drei Jahren wiedersehen, was ich mir wünschen würde tatsächlich. Aber würdest du in drei Jahren dann auch sagen, oder denkst du, dass in drei Jahren eine neue Plattform da ist im Social Media, die wieder irgendwie alle Standards sprengt, die bis dahin eigentlich so State of the Art waren?
Ja, es ist total schwierig zu sagen. Ich habe so… wir haben mit einem chinesischen Unternehmen zu tun gehabt und der hat mir so eine Plattform gezeigt, die die gerade in China nutzen. Das ist quasi wie TikTok, aber es hat zwei Streams parallel. Das ist komplett wild.
Also nebeneinander?
Du kannst quasi mit zwei Daumen streamen und…
Also auf einem Bildschirm?
Auf einem Bildschirm, aber zwei unabhängige Feeds voneinander, auf einem Bildschirm. Aber du denkst, okay, ich dachte, wir haben eine kurze Attention Span, aber das ist wirklich alles komplett over.
Ich weiß es nicht. Es ist so ein bisschen so, wir haben ja viel mit den Plattformen zu tun und man merkt auch, da arbeiten sehr viele smarte Menschen. Die sind wirklich smart. Und bei Instagram sieht man ja auch, dass der Facebook-Konzern es auch immer gelernt hat, sich immer weiterzuentwickeln. Facebook ist tot, sagt man immer. Also ich nutze es selber auch nicht mehr so viel. Aber die KPIs, du kannst ja alles messen, wenn wir irgendwie Ads schalten, das System auch, das für verschiedene Produkte, auch Facebook krass die Relevanz behält.
Und ich glaube, das mit den Plattformen, das sieht man dann. Instagram, so schnell ist das nicht over. Da bin ich mir ganz sicher. Also es gibt auch selbst in der jungen Generation, die sagen nicht TikTok ist mein einziger Kanal, sondern die sagen TikTok und Instagram. Und solange das der Fall ist, würde ich mal sagen, gehe ich sowieso mit dem Flow.
Sehr, sehr spannend. Lass uns da gerne mal eine Folge, Folge, Folge draus machen, weil da sind so viele Themen dabei. Vielen Dank für deine Insights. Also wirklich, um einfach mal auch reinschauen zu können, wie ihr arbeitet, wie du denkst. Krass. Also man merkt bei dir den Unternehmer einfach extrem, weil du nicht nur Geschäftsmodelle baust und weißt, wie man Geschäftsmodelle auch verkauft, sagen wir es mal so, sondern du hast einen krassen Antrieb. Den spürt man extrem im Gespräch. Deswegen vielen, vielen Dank, dass du uns daran teilhaben lassen hast.
Ich danke, dass ich hier sein durfte. Mir hat es riesen Spaß gemacht.
Cool. Von meiner Seite auch nochmal danke. Natürlich auch danke fürs Zuhören. Sorry fürs Überziehen vielleicht in dem Rahmen, aber ich glaube, es war so spannend, da konnten wir heute mal nicht. Meine Kamera hat sogar gestoppt. Speicher voll.
Shit. Kriegen wir rein.
Nee, aber in diesem Sinne, danke fürs Zuhören. Wir freuen uns wie immer über Feedback, Bewertungen, alles in die Richtung, auch gerne Gastempfehlungen. Und bis zum nächsten Mal. Ciao.
Ciao.
Ciao Helge, danke.