ALL episodes
Agency Life Deutschland 2025
Auch auf

Höher, schneller, weiter – und dann?

In dieser Episode von Agency Life Deutschland sprechen Chris und Jona mit Yves Rham, Mitgründer der früheren Pixelschickeria und Gründer von Yves & Co., über die Höhen und Tiefen des Agenturlebens.

Was passiert, wenn Wachstum zur Belastung wird? Und wie gelingt ein echter Neuanfang mit klarerem Fokus, kleinerem Team – und mehr persönlicher Erfüllung?

Was passiert, wenn du alles erreicht hast?

47 Mitarbeiter, starke, große Kunden, volle Auftragsbücher und trotzdem merkst, das bin nicht mehr ich. Yves Rahm, Gründer der Pixelschickeria, nimmt uns heute mit auf eine Reise vom kometenhaften Aufstieg bis zum bewussten Neustart. Warum er heute sagt, weniger ist mehr und wie man im Tal die Kraft findet, neu zu starten. Willkommen bei Agency Life Deutschland, heute mit Yves.

An dieser Stelle möchten wir euch verraten, worum es uns und unserem Partner Teamleader in diesem Podcast überhaupt geht. Wir laden zu jeder Folge spannende Persönlichkeiten aus der Agenturszene ein. Mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen möchten wir Inspiration und Motivation schaffen. Am Puls der Zeit für die Agenturwelt. Und genau dort setzt Teamleader mit seiner leistungsstarken Agentursoftware an. Diese hilft bereits über 4.000 Agenturen dabei, Terminfristen einzuhalten, Budgets zu kontrollieren,

Gewinnmargen zu steigern, Kapazitäten zu planen und vieles mehr. Damit ihr euch voll und ganz auf eure Kreativität konzentrieren könnt. Von Agenturen für Agenturen. Und los geht's mit unserer heutigen Folge.

Herzlich willkommen zurück bei Agency Life Deutschland.

Heute mit einem spannenden Gast. Hi Yves. Hi. Herzlich willkommen, Yves.

Wir starten gleich mal rein mit der ersten Frage. Yves, nimm uns mal mit in die Zeit zurück, als die Pixelschickeria auf dem Höhepunkt war. Ich meine mich richtig zu erinnern, 47 Mitarbeitende, drei Büros, starke Kunden. Was war das denn für ein Gefühl damals, in dieser Agenturrealität zu leben?

Das war erstmal gar nicht so wahnsinnig real, dachte ich. Also weil das so wahnsinnig schnell alles passiert ist und ein unglaubliches Wachstum stattgefunden hat. Wir haben uns 2011 gegründet, ich habe mit einem guten Freund damals einen Businessplan geschrieben. Wir sind dann mit zur Sparkasse, die hat uns ein kleines Darlehen gegeben. Davon haben wir den ersten Schnittrechner gekauft. Und dann ging das eigentlich alles Schlag auf Schlag und sind dann innerhalb der Maistraße in München nochmal umgezogen in ein größeres Büro und dann noch eins dazugenommen und noch eins dazugenommen, hatten verschiedene Units, ganz schnell ganz viele Leute, unheimlich viele Aufträge und es gab mal so ein Statement von RTL 2, dass wir für die gearbeitet haben, dass wir so die Punks der Agenturszene seien, weil keiner so richtig verstanden hat, wo kommt das Wachstum her, wie machen die das, wie geht das so schnell, wie trägt sich das, wie funktioniert das überhaupt.

Heute weiß ich, ich hätte vieles anders machen müssen, weil wir das sogenannte Frontend ganz schnell ausgebaut haben. Nach draußen sah das alles toll und groß aus und war fantastisch, aber das ganze Backend hinten hat gewackelt, weil wenig Struktur da war und wir haben das einfach gemacht und gemacht und gemacht und gemacht und irgendwie hat es auch funktioniert bis zu einer gewissen Größe. Und dann fängt das so stark an zu schwanken, dass man gucken muss, dass einem das Ganze nicht hinten runterfällt. Und das geht dann wahnsinnig zulasten der eigenen Energie und Zeit und so weiter und so fort. Aber es war eine Zeit, die möchte ich nicht missen. Es hat ganz, ganz klein angefangen und es ging dann plötzlich nach oben, womit eigentlich keiner gerechnet hätte in dieser Art. Es ist ein Ritt, muss man tatsächlich sagen. Heute bist du ja auf anderen Wegen unterwegs, deswegen erzähl uns mal ein bisschen, natürlich nicht juristisch, aber was ist passiert, warum nicht mehr Pixelschickeria, warum vielleicht auch nicht mehr so groß und so weiter und so fort. Sehr gern. Also das nimmt alles so seinen Lauf und dann hat man das auch eine gewisse Zeit gemacht. Und ich mag es, mich in neue Themen hineinzustürzen und immer neue Dinge anzugehen. Das hält mich, also das macht es einfach für mich aus, mich tagtäglich damit zu motivieren. Irgendwie mich in neue Dinge hineinzulesen, hineinzufressen, diese zu verstehen und diese dann auch in eine Art Geschäftsmodell umzuwandeln. Und nach Corona, Corona war eine relativ schwierige Zeit für die Pixelschickeria, weil wir verdienen das Geld mit Marketinggeldern und die wurden zuerst eingefroren. Also plötzlich waren 80 Prozent der Projekte weg. Wir sind da aber irgendwie ganz gut durchgekommen, wollte so eine Zeit nicht mehr und hab dann nach anderen Gesellschaften geschaut, diese auch gefunden. Und dann ist es der Lauf der Dinge, dass man da in verschiedene Richtungen geht und sich auch in vielen Dingen vielleicht nicht einig ist und dann jeder seines Weges geht. Und mein Weg war dann aus der Pixelschickeria heraus, was für mich alles andere als eine einfache Zeit war. Aber heute weiß ich, dass sich dieser Weg gelohnt hat, da ich wieder das mache, was ich wirklich kann in einem kleinen Kreis und auch weiß, dass ich es nicht mehr so groß machen möchte, sondern eine unheimliche Flexibilität auch vom Markt gesehen und geschätzt wird. Ich bin nah dran an den Kunden, Kunden kommen zurück aufgrund der Größe,

einfach, also nicht mehr dieser Riesenapparat. Einfach ist es natürlich nicht. Das ist ein gewohntes Umfeld, in dem man sich da befindet und auch so ein bisschen die eigene Bequemlichkeit. Und ich umschreibe das immer ganz gern so: Wenn man auf einem Gipfel steht und sieht in der Entfernung den nächsten, der auch irgendwie ganz interessant auszusehen scheint, wenn man auf den möchte, muss man erst wieder runter, ganz ins Tal runter, um auf den nächsten hochzukommen. Und das heißt aus der Komfortzone raus, irgendwie die Beine in die Hand nehmen und losgehen und immer nach vorne schauen, das Ziel nicht zu verlieren. Und ich weiß heute, dass dieser Weggang aus der Pixelschickeria hin zu neuen Ufern auch die herausforderndste Zeit in meinem ganzen Leben bis jetzt war. Was es familiär bedeutet, finanziell und auch so, mich selber zu finden, zu wissen, was will ich, was brauche ich, was brauche ich vor allem auch nicht. Und ich glaube, ich stehe jetzt mit sichereren Füßen auf dieser Welt, als ich das je vorher getan habe. Und das im Gesamtkonstrukt zu sehen, ist eigentlich ein wahnsinnig gutes Gefühl. Ja, aber man hört schon ein bisschen raus. Schönes Sinnbild erstmal. Es ist ja halt auch nicht so einfach, durch dieses Tal zu gehen und sich nicht umzudrehen und mal zu sagen, eigentlich wäre es jetzt einfacher, wieder den Berg hochzugehen hinter mir, anstatt noch tiefer zu gehen und mal auf den nächsten raufzugehen.

Ja, da hast du natürlich recht. Aber sich umzudrehen war keine Option, da das alles gerichtliche Folgen hatte, wie man sich da voneinander trennen wollte, mehr oder weniger freundschaftlich, eher weniger würde ich sagen, was ich mir hätte anders vorstellen und wünschen hätte. Ja, aber das war so und dem ist auch gut. Und deshalb gab es nur eine Richtung und die war klar nach vorne. Und es gab Leute, die mich da oder gibt Leute, die mich da unterstützen, die da an mich glauben, die ich wahnsinnig schätze und mit denen da auch ganz neue Dinge plötzlich möglich sind. Weg von der reinen Agentur, die Content produziert, sondern die Content vor allem auch vermarktet. Umfeld, Freunde und Co. genannt. Aber für dich ganz persönlich?

Ja, das war super und auch irgendwie sich darauf zu konzentrieren, was braucht man oder worum geht es in dem jetzigen Moment. Du hast eine Fülle von Herausforderungen um dich drumherum, finanzieller, familiärer Art. Aber es ist ganz wichtig, eins nach dem anderen abzuarbeiten und dann gesamtheitlich nach vorne zu schauen. Das große Ganze ist die Summe aus ganz vielen kleinen Teilen und das darf man nicht aus den Augen verlieren. Und das hilft mir heute, indem ich, ich hatte es eingängig gesagt, indem durch wesentlich strukturierteres Arbeiten in der Agentur als das früher der Fall war, eine Sache fertig machen, dann die nächste und so weiter und so fort. Und das sind so Dinge, die mich, ich glaube, auch persönlich verändert haben und ich da mit mir selber und somit mit meinem Umfeld ganz anders umgehe, als ich das früher getan habe. Du beschreibst es ja schon ganz schön auf der unternehmerischen Ebene und dann aber auf der emotionalen Ebene und ich glaube, da merkt man hier schon einen sehr gereiften Yves, der das einfach schon hinter sich hat und so weiter, der ist ganz schön zu sehen. Noch zu einem Punkt zurück: Viele AgenturinhaberInnen, aber auch Unternehmer, definieren sich ja quasi auch über ihre Unternehmung, über ihr Unternehmen quasi. Und war das, ist das einfach emotional dann auch schwer zu sagen, boah, es ist dann auf einmal weg und du musst ja was Neues aufbauen? Weil so einfach ist der neue Berg ja auch nicht, gell? Also du weißt ja, du hast das ja schon durchgemacht und denkst dir so, oh fuck. Ich lese überhaupt nicht gern, aber ich höre mir wahnsinnig gern Dinge an, weil das für mich besser passt und ich sie mir dann besser vorstellen kann, habe ein Hörbuch bekommen, Der junge Unternehmer. Und darin wurde das ganz, ganz simpel eigentlich umschrieben, was den Unternehmer oder was das Produkt des Unternehmers ist. Das sind Unternehmen. Und ein Unternehmen ist eine leere Hülle, die durch den Unternehmer mit Leben gefüllt wird. Und das hat mir geholfen, dadurch irgendwie auch einen Abstand zu bekommen, weil ich gemerkt habe, okay, ich habe die Hülle Pixelschickeria zwölf Jahre mit Leben gefüllt,

ich habe die Hülle mit Leben versorgt und sie zu dem gemacht, was sie jetzt ist. Und jetzt ist es vielleicht an der Zeit, sich eine neue Hülle zu nehmen und diese wieder mit Leben zu versorgen. Und das hat es irgendwie, das ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen und das hat mir immer geholfen, irgendwie das anders zu betrachten, weil es ein Produkt ist und nicht der Inhalt meines Lebens. Das ist sehr schön, damit hast du die Emotionen einfach für dich auch so ein bisschen rausgenommen, was, glaube ich, unglaublich wertvoll ist in dem Moment. Absolut, absolut. Du hattest uns ja auch im Vorgespräch, glaube ich, so ein bisschen erzählt, wie sich deine Rolle in der Pixelschickeria gewandelt hat. Und bleiben wir jetzt bei der Analogie: Du füllst es mit Leben. Gab es da auch einen Punkt, wo du gesagt hast, das bin nicht mehr so richtig ich oder es fühlt sich nicht mehr ganz nach mir an, zum Vergleich Anfangszeit und dann aber als Riesenkomplex mit ganz vielen Personen und so weiter?

Ja, absolut. Und ich glaube, das ist auch so ein Reifegrad, den man da irgendwie, den man braucht, um zu erkennen, dass man nicht der Typ ist, der alles kann und alles macht. Ich weiß heute, und da wird sicherlich der ein oder andere ein bisschen schmunzeln, ich bin alles andere als ein guter Projektmanager, weil ich tausend Flusen und verschiedene Fantasien im Kopf habe. Ich bin der, der weiß, was ein Kunde braucht. Ich kann das dann übersetzen in Bilder, in Geschichten, in eigene Welten. Und das kann ich wahnsinnig gut. Aber alles Administrative liegt mir wirklich weniger. Dafür brauche ich Leute, die mich da unterhalten. Und das muss auch ganz klar definiert werden, wer wofür wann in welcher Lage zuständig ist. Und das habe ich heute, das habe ich in der neuen Agentur Yves & Co. von vornherein so sauber aufgesetzt und geklärt, dass es da überhaupt keine Missverständnisse mehr gibt. Und das fühlt sich irgendwie gut an, weil dadurch die Aufgaben so sauber verteilt sind, dass wir in der Gesamtheit eigentlich wesentlich effizienter und sinnvoller miteinander arbeiten. Und auch, was für mich persönlich ganz wichtig ist und das auch den Mitarbeitern, wir sind jetzt vier Leute, mitzugeben, dass die Arbeit nicht mehr von der Zeit abhängig ist, sondern dass die Arbeit ein Wert ist, den wir definieren. Und wenn dieser Wert am Tag in vier Stunden erledigt ist, dann ist das fein und dann kannst du auftanken, so wie du eben für dich auftanken möchtest. Das heißt nicht mehr neun bis 18 Uhr, sondern irgendwie, wenn du Engagement hast und das in einem Wert übersetzen kannst, dann ist das das, was wir suchen und nicht mehr anders. Du hast es gerade schon ein bisschen angesprochen und du gehst ja mit Yves & Co. einen etwas anderen, vielleicht sogar völlig anderen Weg. Hast du das bewusst gemacht, dass du gesagt hast, hey, jetzt neues Unternehmen, ich mach das wieder auf meine Art, aber vielleicht mit ein paar Erfahrungen mehr?

Ja, mehr oder weniger. Das hat sich eigentlich in den ersten sechs Monaten von Yves & Co. so rausgestellt. Ich hatte Leute, die mich unterstützt haben in finanzieller Art, dadurch einen freien Kopf zu haben, um zu gucken, was braucht denn der Markt und wo geht das hin. Und die Idee hatte ich irgendwie auch schon. Ich dachte schon vor ein paar Jahren mal, nicht nur ein Teil der Wertschöpfungskette zu sein, also nur der Content-Produzent, sondern vielleicht auch der Vermarkter oder der strategische Berater, der langfristig Kunden mit auf die Reise nimmt. Und da geht es jetzt gerade hin, weil es eben etwas Neues ist, was wir aufsetzen. Und da ist nicht wahnsinnig viel festgefahren, sondern wir können justieren, wir können probieren, wir können gucken, wo die Reise hingeht. Und irgendwie wird das vom Markt angenommen und ich erlebe da gerade viel Unterstützung

von außen zu uns, die uns auch spüren lassen, dass das der richtige Weg ist. Also ob es jetzt die Vermarktung ist, die auf Streamern stattfindet, die gerade irgendwie erst nach oben fährt oder eben auch klassisch im TV und da Gegengeschäfte mit dem Content, den man produziert, eben an den Start zu bringen, ist wahnsinnig gern gesehen, habe ich aber noch nie so auf dem Schirm gehabt. Und das gibt natürlich ganz andere Möglichkeiten, auch da Umsatz zu generieren in Zahlen, die man so nicht auf dem Schirm hat. Dann mache ich noch eine Folgefrage an der Stelle. Du hast es schon gesagt, vier Personen, vorher, ich glaube, über 40 waren es, 47. Hast du vor, wieder so zu wachsen? Also bis 47? Auch wenn du es jetzt anders machst, ist das ein Thema, wo du sagst, ja, wachsen darf es gerne wieder so groß, aber auf eine andere Art und Weise? Oder ist es dir auch wichtig zu sagen, nee, ich will vielleicht gar nicht mehr so groß werden, einfach auch aus persönlicher Sicht, auch die Aufgabenbereitschaft? Wenn man so groß ist, hat man natürlich in den meisten Fällen nicht mehr so seinen Aufgabenbereich, den man zu zweit, zu dritt, zu viert hatte, sondern der geht ein bisschen in andere Bereiche über. Also 47 waren es zur absoluten Hochzeit und da hatte ich, glaube ich, auch beide Füße nicht mehr so richtig auf dem Boden, weil man denkt da irgendwie, alles geht, du kannst alles erreichen, da geht es in die Richtung, der und so weiter und so fort. Das möchte ich nicht wieder haben. Ein gewisses Wachstum wäre schön, aber wir haben uns auch,

also auch im Team besprochen, eine Grenze gesetzt von maximal zehn Leuten, um eben diese Flexibilität und das freie Miteinander und auch die Zeit zu haben, sich darüber Gedanken zu machen, wo orientieren wir uns hin, wo geht die Reise hin, wie trägt sich das, uns beizubehalten, ist ganz wichtig. Und deshalb nicht über zehn Leute, um auch da einfach die Flexibilität, die die Leute oder die Kunden jetzt schätzen, uns beizubehalten und nicht wieder exorbitant zu wachsen.

Das heißt nicht immer, dass man wesentlich mehr Geld verdient, sondern dass man wesentlich mehr Stress hat. Und ich habe zwei Kinder und das haben unsere Mitarbeiter auch. Und da verschiebt sich der Fokus ein Stück weit. Und ein langes gepflegtes Miteinander ist wesentlich mehr wert als ein exorbitantes Wachstum. Das sehe ich heute anders als früher, ganz ehrlich gesagt. Und jetzt hast du ja auch so ein bisschen die Perspektive, früher eher 360 Grad ganzheitlicher, heute eher spitz, eher fokussiert auf das, was euch Spaß macht, was dir Spaß macht. Wie reagieren die Kunden?

Also ich kriege erstmal das Feedback zurückgespielt, dass es gewertschätzt wird, dass man selber wieder vor Ort ist, ob das bei einer Veranstaltung ist, ob das bei einer Produktion ist oder auch einfach nah dran am Kunden zu sein, weil man wieder in direkter Kommunikation mit ihnen steht, ist das ganz toll. Und jetzt habe ich den Faden verloren, sag die Frage nochmal bitte. Wie die Kunden darauf reagieren, dass ihr quasi nicht mehr 360 Grad, sondern wirklich ganz fokussiert auf eure Kernleistungen eingeht. Ja, das wird geschätzt, weil man ganz nah dran ist, ob bei Produktionen, bei Fotoshootings oder eben auch beim Briefinggespräch oder im Kreieren des Storytellings, um was es da geht. Und ich glaube, die merken auch, dass wir deutlich erwachsener geworden sind, weil jeder weiß, wofür er da ist. Ich hatte es eben schon angesprochen, Sander ist unser administratives Genie sozusagen, der in seiner holländischen Ruhe quasi jede Produktion,

jede Projektmanagementaufgabe mit Bravour erledigt. Und meine Rolle ist es einfach, den Kunden an die Hand zu nehmen, zu begeistern für das, was wir können und ihm klar zu sagen: Media, dafür ist der zuständig, Projektmanagement ist der, Storytelling bin zum Beispiel ich. Und das wird gewertschätzt, weil man sich nicht mehr verstellt, sondern man bleibt einfach in einer eigenen Sicherheit der, der man ist. Und das wird gesehen und unheimlich geschätzt. Dadurch funktioniert es dann auch besser und klarer. Da der Kunde nicht zu mir kommt mit Projektmanagementaufgaben, sondern der weiß genau, wo er hingeht. Und genauso für die Mediabuchung und so weiter.

Man hört ja raus, dass du so ein bisschen wieder in dem arbeitest, was dir am meisten Spaß macht. Ja. Ist das so, dass du sagst, boah, ich bin irgendwie auch froh, wieder meinen kreativen Part zu erfüllen und nicht mehr vielleicht nur den Führungspart?

Hättest du mir das vor einem Jahr gesagt, hätte ich wahrscheinlich dir den Rücken zugewandt und wäre weggerannt, weil ich da noch nicht so weit bin oder nicht so weit war, wie ich das heute bin. Aber genau so, wie du es gerade gesagt hast, ist es auch. Und das fühlt sich wahnsinnig gut an. Das ist eben das, was ich eben auch gesagt habe. Das war alles so ein bisschen verstellt. Ob das Mitarbeitergespräche waren, ob das Zahlen sind, die jeden Monat stimmen mussten, das ist nicht meine Welt gewesen. Und ich bin jetzt wieder in meiner Welt unterwegs, weil ich Dinge für mich vor allem selber erkannt habe, sie anders machen zu müssen, um mir selber gerecht zu werden und dadurch auch anderen. Aber weißt du, es ist halt auch einfach, ich baue ein Unternehmen auf, also als Mensch, man baut ein Unternehmen auf, man macht das ja in der Regel zum ersten Mal.

Das sind ja alles Aufgaben, die dann auf einen zukommen, wo man sich denkt, hey, Moment mal, ich war doch der Kreative und jetzt muss ich hier auf einmal Leute führen. Jetzt muss ich irgendwie vielleicht auch Buchhaltung mal mitmachen, bis ich jemanden habe, der Buchhaltung macht. Und diese ganzen Dinge, ich glaube, der Weg ist halt auch echt heavy, auf den man nicht so vorbereitet ist. Und ich glaube, und das merkt man ja, wenn man spricht mit anderen UnternehmerInnen. Und jeder genießt es schon irgendwo auch wieder da zu sein, wo er angefangen hat, also in seinem Bereich auch wirklich zu sein. Weil die wenigsten fangen ja als UnternehmerInnen an, sondern eigentlich mit etwas, was ich gut kann und darum ein Unternehmen baue.

Und ich glaube, dafür bist du ein wahnsinnig gutes Beispiel, wie schön es auch wieder ist, da hinzukommen, wenn man alles andere mal wieder so ein bisschen abprasseln lässt von sich. Absolut. Ich sage das irgendwie auch den Leuten, mit denen ich jetzt wieder zu tun habe, dass die Pixelschickeria ja ganz toll war und mir die Möglichkeit gegeben hat, unheimlich viel zu lernen. Das war mal angenehm und das war auch in vielen Situationen nicht so wahnsinnig angenehm, ja, weil man da mit Leuten zusammengerattert ist und so weiter und so fort. Aber ich glaube, aus all dem, was mich da umgeben hat, heute sagen zu können, dass Yves & Co. besser wird, als es jemals zuvor war.

Weil wir souveräner in den Markt gehen und unsere Learnings mitnehmen und keine Angst haben, auf die Nase zu fallen. Weil es das nur besser machen kann, wenn man das zulässt. Und ich glaube, da sind wir in einem offenen Miteinander gerade so unterwegs, dass wir das auf die Beine stellen können. Ich denke, so eine ganze Entwicklung ist ja, kennen wir auch alle, Nein sagen ist nicht so einfach. Ich glaube, das lernt man auch in dieser Zeit. Wie ist es so bei dir im Vergleich zu früher? Ist es etwas, was du bewusst anders machst vielleicht heute?

Ja, absolut. Ich habe zwei Kinder, einen Zwölfjährigen und einen Einjährigen. Der ist gerade ein Jahr geworden. Und genauso wie es bei kleinen Kindern notwendig ist, Nein sagen zu können, ist es auch im Job, dass man nicht mehr überall da ist und überall vor Ort ist und so weiter und so fort. Und auch das führt aber dazu, dass man anders wahrgenommen wird, weil das ein erwachsenerer Yves ist, dem man sich da gegenübersitzen hat. Und dadurch auch in ganz andere Gefilde miteinander kommt, weil man sich anders präsentiert, weil man klarer für sich selber ist. Meine Kinder werden immer vorgehen.

Und das Selbstverständnis kriegen auch alle Mitarbeiter, egal ob es jetzt drei sind oder zehn oder acht, wie viel auch immer. Und das sind klare Rules, die gesetzt sind. Und das hatte ich früher nicht, sondern ich dachte immer, es geht nur um das eine und habe ganz viel ausgeblendet, was mich umgeben hat. Und das hat mich viel gekostet und das möchte ich nicht wieder haben, sondern ich mache das heute anders, grundlegend anders. Dann vielleicht nochmal so ein bisschen zum Abschluss. Was würdest du denn...

Was würdest du denn deinem Ich sagen, so vor drei Jahren, so kurz bevor, sage ich mal, bevor du ins Tal wirklich runtergekommen bist?

Würdest du dir selbst einen Tipp geben, jetzt aus der heutigen Perspektive?

Ich glaube, ich würde erst mal sagen, du Depp. Weil das eigentlich Zeit war, Dinge zu erkennen, dass sie so nicht mehr weitergehen können. Weil man immer versucht hat, das sehe ich heute so, das habe ich früher natürlich nicht so gesehen, man hat versucht zu retten und Dinge am Leben zu halten und an alten Sachen festzuhalten, das Große. Und das wirklich große Pixelschickeria-Büro. Der Markt hatte sich verändert, weil unser Kernbestandteil, das Trailergeschäft von Fernsehsendern, nicht mehr so gelebt und bezahlt wurde, wie man das aus den vergangenen Jahren kannte und so weiter. Da war es schon Zeit, irgendwie zu gucken, wo geht denn die Reise hin. Aber da hat man sich nicht die Zeit genommen, weil man so in seinem Tunnel gesteckt hat und immer weitergemacht hat und versucht hat, Dinge am Leben zu halten. Und das versuche ich mir heute, oder ich versuche mir heute dafür auch bewusst Zeit zu nehmen, um immer zu gucken, ist das, was wir tun, das, was der Markt in den nächsten Monaten, in den nächsten Jahren braucht, wo geht die Reise hin, wie können wir justieren und wie können wir dadurch auch unser Portfolio schärfen und interessanter machen und unseren USP klar herausarbeiten. Das gelingt mir bis dato ganz gut. Wir sind aber auch erst ein Jahr alt, mal schauen, wo wir in einem Jahr stehen, aber ich glaube, das geht in eine ganz gute Richtung. Also wir klettern den neuen Berg hoch sozusagen. Das heißt, du würdest deinem früheren Ich, du Depp, sagen... Ja, aber es ist schön, ich glaube, das haben wir alle oder das erlebt man ja immer, dass man ein paar Jahre später einfach sagt so, oh Mann, warum hast du nicht auf deinen Bauch gehört oder sonst was, aber am Ende kommt es, wie es kommt. Und deswegen auch die Frage: Glaubst du, dass es für UnternehmerInnen wichtig ist, gut zu werden oder wirklich das, was man will, zu erreichen, wenn man durch Krisen geht, durch vielleicht auch eine große Krise?

Ich glaube schon. Ich weiß auch, was es bedeutet, das jetzt so in einem Gespräch dir sagen zu können, da das ein wahnsinnig holpriger Weg war, mit ganz vielen Selbstzweifeln, der mich aber dazu gebracht hat, dass ich heute wesentlich bewusster im Leben stehe und dass das vielleicht notwendig war, um eben die Dinge, die ich versucht habe, euch im Gespräch jetzt mitzugeben, so zu sehen, wie ich sie heute sehe. Schön gesagt. Und da will ich auch abschließend sagen: Also 47 Leute, großen Respekt. Da muss ein Produkt erstmal funktionieren, so gut funktionieren, dass das so wachsen kann. Also ich glaube auch wir alle, wir kennen auch viele, die mit so zweit sind und es scheitert vielleicht im Wachstum oder irgendwas. Deswegen nochmal da großen Respekt, Yves. Und dass du dann nochmal durch das Tal gehst und jetzt neu aufbaust, also ich glaube, es wird besser als je zuvor, weil du einfach schlauer geworden bist, glaube ich, als Mensch. Ja, auch immer so, man lernt ja durch Krisen, man lernt durch Lösungen, durch Testen quasi. Im Marketing ist es ja immer dieses Testing und das ist schön zu sehen. Also wir arbeiten ja auch in gewissen Projekten inzwischen mal zusammen und das ist auch schön zu sehen, mit welcher Ruhe, mit welcher Kreativität, mit welchem Spaß ihr da an der Sache seid. Also deswegen danke, dass du uns da heute mitgenommen hast, auch von dem einen Berg zum anderen. Und ich kann mir vorstellen, dass der neue Berg deutlich schöner ist. Okay, vielen Dank. Danke, dass du bei uns warst.

Danke auch von meiner Seite. Vielleicht haben wir nochmal die Chance, in ein, zwei Jahren einfach nochmal draufzuschauen. Wird bestimmt spannend. Und ansonsten wie immer ein großes Danke auch an die Zuhörer und Zuhörerinnen. Wenn euch gefällt, was wir hier machen, bitte abonniert uns oder hinterlasst uns gerne eine Bewertung, wir freuen uns sehr. Und wenn ihr Gastvorschläge habt oder weitere Empfehlungen, meldet euch bei uns. Dankeschön.

Auch auf
Datum 23 Mai 2025
Abonnieren