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Freund oder Feind? Vorurteile, Realitäten und Praxistipps zwischen Agenturen und Einkauf

Einkauf wird in vielen Agenturen als Hürde gesehen – und genau das sorgt dafür, dass Zusammenarbeit oft aneinander vorbeiläuft. Jeanette Hübsch spricht mit Jona über die größten Missverständnisse zwischen Agenturen und Einkauf: fehlende Transparenz, falsche Erwartungen im Pitch und fehlendes Vertrauen.

Was bedeutet das für Agenturen und wie gewinnen sie wieder mehr Einfluss auf Entscheidungen und ihre eigene Preisgestaltung?

Jetzt reinhören!

Jeanette Hübsch ist Global Procurement Lead Commercial und verantwortet weltweit den Einkauf von Marketing-Dienstleistungen. Besonders spannend für Agenturen, sie kennt beide Seiten. Über 20 Jahre war sie Marketing tätig, bevor sie in den Einkauf gewechselt ist. Heute verbindet sie diese Perspektiven und steht für eine Zusammenarbeit, die auf Transparenz, Klarheit und echten Mehrwert basiert, statt auf reiner Preislogik.

Wir haben mit ihr gesprochen und von ihr spannende Insights aus der Praxis zwischen Einkauf und Agenturen erhalten. Und auch ganz klare Tipps, was wir als Agenturen vielleicht anpassen, neu denken dürfen, wenn es um den Einkauf geht. Viel Spaß. An dieser Stelle möchten wir euch einmal erzählen, worum es uns und unserem Partner Teamleader

bei diesem Podcast geht. In Agency Life Deutschland sprechen wir mit Menschen aus der Agenturwelt über genau die Themen, die Agenturen heute bewegen. Wachstum, Organisation, Profitabilität und bessere Zusammenarbeit. Genau an dieser Stelle setzt auch Teamleader Focus an. Teamleader Focus ist die Software für kleinere und größere Agenturen, die ihre Angebote,

Projekte, Zeiterfassung, Rechnungen und Planungen an einem Ort steuern möchten. Für mehr Überblick im Alltag und weniger organisatorischen Aufwand. Wenn ihr euch das einmal selbst anschauen möchtet, könnt ihr jetzt Teamleader Focus 14 Tage kostenlos und ohne Kreditkarte testen. Die Links dazu findet ihr in den Show Notes. Und jetzt starten wir in die heutige Folge.

Herzlich willkommen zu einer neuen Episode von Agency Life Deutschland.

Wir dürfen heute Jeanette Hübsch bei uns begrüßen. Hi Jeanette, schön, dass du da bist. Hallo Jona, grüß dich. Und ich glaube, man darf sogar einmal ansprechen, unsere Episode wäre eigentlich ein bisschen früher gewesen. Wir hatten, wir wollen den Namen nicht sagen, aber wir haben uns ja dazu entschieden dir

Equipment zuzuschicken und es hat sich einfach ein wenig gezogen mit Paketbox, keine Erinnerung und so weiter. Deswegen vielleicht vorab. Es ist nicht selbstverständlich, dass du hier noch heute mit uns sitzt Jeanette, weil es hat sich gezogen. Umso mehr freuen wir uns heute mit dir zu sprechen.

Wir haben dich ja schon ein bisschen vorgestellt und die Zuhörer, Zuhörerinnen wissen ja schon so ein bisschen aus welchem Bereich du kommst. Wir wollen aber jetzt deine Geschichte auch noch mal von dir hören. Du bist ja damals vom Marketing in den Einkauf gewechselt und hast uns im Vorgespräch erzählt, dass sich so die Gespräche und auch deine Position mit Agenturen hat sich irgendwie spülbar verändert.

Was ist passiert damals?

Ja, das ist richtig. Ich war selber überrascht von dieser Veränderung. Ich habe ja vorher wirklich eine lange Zeit im Marketing gearbeitet, viel Kontakt gehabt auch zu Agenturen und hatte immer das Gefühl ein sehr partnerschaftliches Verhältnis zu haben. Und plötzlich mit dem neuen Titel, mit der neuen Jobbezeichnung "Einkauf" hatte ich

das Gefühl, hat sich die Stimmung geändert, sowohl auf Agenturseite als aber auch bei uns innerhalb des Unternehmens. Auf einmal bin ich schwieriger in Meetings reingekommen, gefühlt wurden die Türen einfach zugemacht, intern und extern. Was sagt es aus deiner Sicht aus über die Beziehung grundsätzlich zwischen Agenturen und Procurement?

Was sagst du eigentlich?

Procurement oder Einkauf?

Wir haben uns sehr oft vor der Episode tatsächlich gefragt. Ja, also es ist ein synonym, im internationalen Umfeld wird von Procurement gesprochen. Bei deutschen Unternehmen ist es immer noch gerne der Einkauf und das ist im Prinzip auch so das Siegel oder die Plakette, die man da auf die Brust geheftet bekommt. Ich hatte einfach das Gefühl und auch wirklich live erlebt, dass man mit vielen Vorurteilen konfrontiert wird, wenn man in diesem Job tätig ist.

Also der Einkauf gilt oft immer noch als derjenige, der reinkommt, um die Preise runterzukloppen. Teppichhändler, Bad Cop, Good Cop, Spielchen kennt man und mit diesen Vorurteilen muss man sich halt im Daily-Business beschäftigen, wenn man dort arbeitet. Jetzt hatten wir auch in unserem Vorgespräch, es wurde ja schon eine kleine Lanze gebrochen. Deswegen, wir wollen heute ja auch nicht irgendwie Good Cop, Bad Cop irgendwie aufmachen, sondern wir wollen ja auch so ein bisschen drüber sprechen.

Was hat sich denn auch vielleicht verändert jetzt in den letzten Jahren?

Wie nimmst du oder ja, wie nimmst du die Veränderung wahr grundsätzlich?

Ist es noch dieses typische Bild vom Einkauf?

Na also ich möchte mal nicht ausschließen, dass es noch durchaus vorkommt oder dass es noch Kollegen gibt, die in diesem alteingesessenen Modell agieren, aber generell hat wirklich in den letzten zehn Jahren eine große Transformation stattgefunden. Der Job des Einkäufers oder der Job im Procurement ist wesentlich komplexer und vielfältiger geworden aufgrund vieler Veränderungen, geopolitischer Natur oder Klimawandel. Es werden wichtig, die Klimaziele mit einzubauen in Verträgen, zum Beispiel Compliance muss

eingehalten werden. Also es gibt ganz viele Aspekte, die über dieses typische oder bekannte "wir verhandeln Preise" hinausgehen. Also diese pure Preisverhandlung ist wirklich ein ganz kleiner Teil im Einkauf. Wir kümmern uns sehr viel um Transparenz und um die Sicherstellung von Lieferketten und Lieferketten auch da, wo ich tätig bin, im indirekten Umfeld, in der Zusammenarbeit mit

Agentur. Und jetzt ist ja das Agentur-Business ja auch doch noch mal speziell, weil du einfach nicht nur die Preisschraube hast, sondern auch ganz viele Softfaktoren und ganz viele KPIs, die sich ja auch in diesem Umfeld bewegen. Hat sich da auch was verändert, einfach von der Kompetenz oder auch von dem Wissensfeld, was ein Einkäufer heutzutage haben muss, wenn er mit Agenturen hantiert?

Definitiv. Ich glaube, in der Vergangenheit war es oft so, dass der typische Einkäufer irgendwie alles mitmachen musste und irgendwie alles mit einkaufen musste. Jetzt wird es alles spezieller. Wir haben wesentlich mehr Spezialisten in den einzelnen Kategorien sitzen. Ich bin für die Kategorie Marketing zuständig zum Beispiel, es gibt aber genauso Experten,

die für Facility-Management zuständig sind oder für Versicherungen, ja, da gibt es dann die Spezialisten. Und in meinem Umfeld hat es sich dahingehend geändert, dass es mehr auf die Transparenz ankommt. Wie werden Kostenmodelle zusammengesetzt und wie können wir langfristige Partnerschaften gestalten, dass beide Partner, Agenturen und Unternehmen langfristig davon profitieren

können?

Jetzt hast du ja schon das Preiskostenmodell auch angesprochen. Wir gehen mal so ein bisschen in die Erwartungshaltung rein. Was wird denn von Agenturen heute erwartet, wenn es darum geht, Preismodelle sauber aufzuschlüsseln bzw. auch grundsätzlich, worauf wird geachtet aus der Perspektive des Einkaufs?

Ja, also der Einkauf vergleicht ja immer gerne Äpfel mit Äpfelbirnen mit Birnen. Ich weiß, wie schwierig das natürlich im Agenturumfeld ist, da muss man sich als Agentur vorher Gedanken machen, wie kann ich meine Preise plausibel darstellen und irgendeine schöne Storyline mit Glitter und Flitter zieht halt beim Einkauf nicht. Ein guter Einkauf hat meistens Templates bereit, um Rate Cards visibel zu machen und anhand dieser Rate Cards arbeitet man sich vor in die Kalkulation von Projekten zum Beispiel.

Aber generell in diesem Bereich sollte man im Einkauf sehr offen und flexibel sein, was die Gestaltung von Kostenmodellen angeht und auf der Agenturseite muss man sich Gedanken machen, dass es entschränkend nachvollziehbar ist für den Einkauf. Gab es in deiner Vergangenheit trotzdem schon mal irgendwie einen Moment, wo du gesagt hast, absetz jetzt so der Scorecard und der harten Faktoren, dass dich jemand irgendwie komplett mal kalt erwischt hat im positiven Sinne?

Auf Agenturseite bezüglich, was meinst du?

Also ob es mal wirklich auch mal was Mutiges gab, was vielleicht so ein bisschen aus der Reihe rausgetanzt ist, wo du gesagt hast, boah, das war richtig kreativ, das hat mich abgeholt und das hat sich aber auch so ein bisschen aus diesem klassischen hervorgehoben?

Also ich bin ja nicht, mein Job ist ja jetzt nicht zu urteilen, ob das Kreativkonzept der Agentur jetzt besonders toll war oder nicht, ich unterstütze den Auswahlprozess. Die letzte, endliche Entscheidung ist halt immer bei dem Anforderer, also bei dem Marketing-Team, bei den Marketingverantwortlichen. Generell sage ich mal, die Kreativität im Commercial Model können wir im zweiten Schritt diskutieren.

Im ersten Schritt geht es darum, die Transparenz und Vergleichbarkeit zu gestalten. Aber ich mag es sehr, wenn Agenturen wissen, was sie können und wenn die auch einfach straight sind. Also ich habe schon Agenturen erlebt, die dann klar und deutlich sagen, nee, das können wir nicht so umsetzen und deswegen sind wir jetzt hier aus dem Pitch raus und da muss ich sagen, habe ich riesen Respekt vor und das bedeutet für mich auch immer, der bleibt

auf jeden Fall haften und bleibt in meinem Portfolio drin an interessanten Agenturen. Oder muss ich sagen, das ist aber auch ehrlich gesagt sehr erleichternd mal zu hören, weil man kennt es aus der, ich meine, wir haben die Perspektive der Agentur und das ist ja wirklich oftmals so, dass du bereitest ein riesen Angebot vor, hast eine richtig coole Vision und dann steht da einfach eine ganz andere Preiserwartung von Kundenseite und dann ist natürlich irgendwie der erste Gedanke, du willst jetzt das, was du auch als Strategie-Idee

vorbereitet hast, willst du ja irgendwie auch beweisen und zeigen, aber wenn du dann in diesen Konflikt kommst, es geht sich einfach nicht auspreislich, ist, finde ich, die erste Tendenz oftmals wirklich, dass man sagt, man versucht sich zu verbiegen, man versucht irgendwie das Ganze unterzubekommen, um eben auf qualitativer Ebene zu überzeugen, ist aber glaube ich aus meiner Sicht oftmals ein Rattenschwanz, weil dann die Kalkulation hinten raus nicht stimmt und man dann ehrlich gesagt gar nicht das umsetzen kann, was man eigentlich vorhatte

oder eben dann bei sich selbst irgendwie voll das Problem bekommt. Deswegen super schön zu hören, ehrlich gesagt. Da muss man realistisch bleiben und die meisten meiner internen Kunden, also die Marketing-Teams haben das ja oft schon schmerzlich am eigenen Leid erfahren, wenn sie vorher mit anderen Einkäufern zusammengearbeitet haben, die knallhart, ich mache hier die Anführungsstriche, knallhart verhandelt haben, dann gab es halt oft diese Nachtragsangebote, dann kamen die halt einfach

nicht hinterher mit ihren Kosten und es geht ja nicht darum, dass wir unsere Agenturen irgendwie schröpfen wollen oder bis zum letzten Tropfen ausquetschen wollen, es geht darum, dass wir gemeinsam mehr vom Kuchen haben, dass wir gemeinsam die Möglichkeit haben zu wachsen und gutes Business zu machen und das geht nicht, wenn ich die ganze Zeit meinen Partner ausquetschte. Aber in dem Fall, den ich eben angesprochen habe, ging es gar nicht mal so um die Kosten, also ich denke, wenn wir da auch einkaufsseitig mit den Kosten große Abweichungen haben,

haben wir falsch strukturiert, dann haben wir diesen, Entschuldigung, Pitch schlecht aufgebaut oder diese Ausschreibung schlecht aufgebaut, wenn die Erwartungsverhaltung in dem Kostenrahmen so weit auseinandergeht. In dem Fall ging es eher um Ressourcen, dass nicht die richtigen Ressourcen bereitgestellt werden konnten und wir dann entscheiden mussten, nee, dann passt es nicht und dann vielleicht ein anderes Mal.

Okay. Ich nehme mit, Punkt eins Ehrlichkeit siegt. Wie hat sich es denn entwickelt, also es ist ja auch so ein Vorteil oder noch so ein altes Gespür, dass der Einkauf auch sehr spät auf der gesamten Reise letztendlich mit dazu kommt, also dieses, man hangelt sich entlang und dann ganz am Ende kommt der Einkauf mit dazu. Ist das noch so, nimmst du das noch so wahr oder hat sich auch da was verändert in den

letzten Jahren?

Ja, wenn der Einkauf spät reinkommt, dann ist schon mal schief gelaufen. Also auch in der Vergangenheit war der Einkauf häufig der, der so im letzten Schritt das Firefighting gemacht hat oder dann noch mal verhandeln sollte, das macht keinen Sinn. Also das macht in der ganzen Überlegung, wie kaufe ich Leistung strategisch ein, wie bereite ich langfristig Partnerschaften vor, wie minimiere ich das Risiko für das Unternehmen, das macht einfach keinen Sinn, wenn wir nicht schon frühzeitig im Auswahlprozess in der Gestaltung

der Ausschreibungen drin sind, dann kannst du hinterher nicht viel machen. Gibt es so den einen Punkt, wo du sagst, da kommt er eigentlich immer dazu oder ab dann wird es wirklich auch richtig spannend für den Einkauf?

Auch bei den großen Ausschreibungen, also ich glaube am meisten Spaß habe ich persönlich, wenn es um ein neues Produkt geht, das gelauncht werden soll und dann steht plötzlich eine große Marketingkampagne an, die gestaltet werden muss und da die Ausschreibung zuzumachen. Das macht mir persönlich besonders viel Spaß. Cool. Du hast ja auch gesagt, wenn Agenturen im Grunde die Sprache des Einkaufs nicht sprechen,

dann wird schnell an Glaubwürdigkeit verloren. Was meinst du damit genau?

Also ich denke die Erwartungshaltung an den Einkauf ist, dass er die Sprache von Marketing und Agenturen versteht und andersrum würde ich es mir auf Agenturseite auch wünschen, dass mehr Offenheit da ist und auch mehr Awareness dafür, dass der Einkauf eine wichtige Zielgruppe ist. Natürlich ist das Marketing-Team letzten Endes der Day-to-Day-Kontakt, aber der Einkauf spielt eine wichtige Rolle da drin, die Auswahl und den Prozess zu beeinflussen.

Also im konkreten Beispiel sieht es so aus, das Marketing-Team kommt zu mir und sagt "Hey Jeanette, wir planen hier den Launch eines neuen Produktes, dafür wollen wir eine Ausschreibung machen, die und die und die Faktoren sind für uns wichtig, hast du da jemanden?

Kannst du uns jemandem empfehlen, wie schaut es aus?" und dann wird die klassische Longlist gemacht und da ist es natürlich für jede Agentur günstig, wenn sie schon auf meiner Longlist stehen würde. Und ich kriege das so mit, dass ich in Newbiz Gesprächen häufig vernachlässigt werde als Zielgruppe und dass sich Agenturen auch relativ wenig Gedanken darüber machen, was denn für uns im Einkauf interessant ist.

Und kleiner Hinweis, die Kosten alleine sind es ja nicht. Zwei Rückfragen. Wie kommen wir auf diese Longlist?

Ich meine, wir haben ja auch viele, die bei uns zuhören, die vielleicht einfach noch nicht auf super vielen Listen stehen oder jetzt die 20 Einkäufer/Einkäuferinnen irgendwie bei sich auf der Liste haben und wissen "Okay, ich werde regelmäßig eingeladen", was würdest du gerade vielleicht aufstrebenderen Agenturen empfehlen, um eben genau bei diesen großen und ja auch schönen Kunden dann im Grunde auf das Radar zu kommen?

Ja und gerade die großen und schönen Kunden, die wir jetzt gerade alle im Kopf haben, haben häufig den strategischen Einkauf, der genau diesen Job macht, den ich mache, diese strategischen Ausschreibungen, diesen strategischen Demand, diese strategischen Bedarfe im Unternehmen zu bündeln und dann entsprechend die Agenturen dahin zu positionieren, wo der beste Match ist. Ich sage immer, wir sind die Matchmaker im Unternehmen, wir gucken, dass wir die richtigen

Leute zusammenbringen. Was würde ich als Agentur tun?

Ich würde mich erstmal informieren, wo läuft denn überhaupt diese Zielgruppe rum?

Es gibt einige Kongresse oder ja Events, wo sich die Branche regelmäßig trifft, Marketing-Procurement-Veranstaltungen. Dort trifft man tatsächlich schon einige wenige Agenturen, die verstehen wollen, wie der Einkauf tickt, aber meiner Meinung nach sind es noch Zusehnige und da kann ich nur einladen und sagen schaut euch da mal um, kontaktiert auch gerne die Einkäufer über LinkedIn, die sich sichtbar machen, weil dafür sind wir ja da. Es ist ja unser Job, neue Agenturen und neue Dienstleister kennenzulernen.

Und ich entnehme oder versuche das zu entnehmen von dem, was du gesagt hast, du achtest ja auch gleich dann auf unterschiedliche Dinge. Also ich meine in einer linken Nachricht, sich jetzt bei dir vorzustellen und dass du in der einen Nachricht gleich die ganze Agentur verstehst und auch noch qualitativ einstufen kannst, wird schwierig. Trotzdem wäre ganz spannend, neben der Preisthematik und auch der Kostenstruktur, was ist denn für

dich noch wichtig, wenn du wirklich eine Agentur screensst und sag ich mal durchläufst?

Also für mich ist sehr wichtig direkt zu verstehen, was ist der sweet spot, was ist die Kernkompetenz dieser Agentur und wo kann ich sie positionieren?

Viel zu oft wird mir immer wieder erklärt, ja wir können alles machen, was ihr wollt, ihr müsst uns nur sagen was, ja okay, fine, aber wenn unsere Teens das so genau wissen würden, dann bräuchten sie wahrscheinlich auch nicht diese Art der Agentur, also wir wollen schon verstehen, wo kann ich jemanden bei wem und bei welchem Bedarf einsetzen und das ziemlich scharf auf den Punkt. Würdest du sagen, dass es da auch eine Entwicklung gibt, also von diesem klassischen 360 Grad

digitales Marketing Ansatz hin auch stärker zu Spezialisierungen auf wirklich einen Kernbereich oder hängt das wirklich um Fall jeweils ab?

Ich denke das hängt von Fall zu Fall ab, ja, aber was aber wichtig ist, vielleicht müsste ich das auch nochmal erwähnen, zu unserem Job im Einkauf gehört es ja auch dazu zu verstehen, wie entwickelt sich der Markt, was sind die Innovationen, wo geht der Trend hin und welche Möglichkeiten haben wir, wo arbeiten Agenturen gerade dran, also ich bin immer offen wenn es darum geht, was gibt es Neues, wenn sich Agenturen weiterentwickeln in ihrem Portfolio und vielleicht neue Themen dazu nehmen, von denen wir profitieren könnten, also so etwas

ist für uns immer interessant und danach schauen gute strategische Einkäufer, halten danach immer aus und informieren sich auch regelmäßig auf entsprechende Events. Superspannend, ich springe nochmal einen Punkt zurück, wir sind eigentlich bei der Kommunikation hängen geblieben, das heißt Agentur sollte die Sprache des Einkaufs sprechen, natürlich aber auch in die andere Richtung, wohin stehen denn da aus deiner Sicht so die größten Missverständnisse wirklich in der Praxis?

Also ganz häufig fangen Agenturen, die ich treffe, direkt mit dem Kostenthema an und versuchen mir auf Teufel-Komm-Raus ihren Mehrwert zu erklären, das glaube ich auch alles, weil jede Agentur bietet sich ja ein ganz unikes Portfolio an, nichtsdestotrotz kennen wir natürlich unseren Markt und die Preise, die auf dem Markt gelten und wer da extrem drunter oder drüber liegt, der hat offensichtlich seine Hausaufgaben nicht gemacht, was man wofür und für welche Leistung verlangen kann und da hilft auch dann die schönste Erklärung

nicht mehr, weil das könnte man dann intern auch nicht mehr argumentieren, irgendwie zurück zur Transparenz, zur Kostentransparenz. Also Gedanken machen über die eigenen Preise auch, wie stehen Sie im Umfeld da, ansonsten haben wir relativ schnell eine Red Flag, höre ich raus?

Ja, genau, genau. Im Vorgespräch, das fand ich besonders spannend, sind wir auch noch mal einen Schritt weiter gegangen, weil es ist ja auch vielleicht so das klassische Bild, der Einkauf kommt dazu und es wird letztendlich, es kommt vielleicht im Best Case zu einer Zusammenarbeit, danach ist die Reise ja aber auch ehrlich gesagt nicht vorbei, so wie wir das im Vorgespräch auch hatten.

Wie geht es denn weiter und inwieweit ist der Einkauf denn nach Abschluss der Zusammenarbeit oder dem Zusammenkommen dann weiterhin beteiligt?

Also es gibt das sogenannte Supplier Relationship Management, das ist im Prinzip ein Performance Tracking der Leistungen der Agenturen. In regelmäßigen Abständen werden ja Milestones bewertet, Projekte bewertet nach Projektabschluss und entsprechend in Scorecards eingetragen, um so einen strukturierten Nachweis darüber zu haben, wie sich die Qualität entwickelt, das ist jetzt keine Einbahnstraße, sondern das sind wie so Quarterly Business Reviews, wo man sich gemeinsam mit der Agentur und

dem Marketing Team zusammensetzt und sich anschaut, wie ist die Zusammenarbeit gelaufen, ist geliefert worden, was wir abgesprochen haben, wo hat es gehakt, wo kann man sich verbessern und dann ist natürlich das Ziel, dass man sich kontinuierlich und langfristig verbessert, sollte es in die andere Richtung gehen, steht natürlich nochmal Gesprächsprobe auf. Gibt es auch an dem Punkt etwas, wo du sagst, das können Agenturen noch besser, noch proaktiver

vielleicht machen?

Also ich habe schon erlebt, dass viele Agenturen eine ähnliche Dokumentation haben für interne Zwecke, schön wäre es, wenn man sich eigentlich von Anfang an auf einen gemeinsamen Weg einigen könnte, dann müsste man nicht doppelt fahren. Bedeutet, dass man aber direkt noch vor Zusammenarbeit, Start der Zusammenarbeit ansetzt und diese KPIs im Grunde gemeinsam festlegt, meinst du?

Ja, das wäre wünschenswert, wenn man im Vorfeld die Erfahrung, die Erwartung klärt, die man an die gemeinsame Zusammenarbeit hat. Oft ist es ja so, ja super, wir haben uns entschieden und dann legen wir jetzt einfach los. Ich finde, wenn wir da noch eine gewisse Struktur mit reinbringen, dann hat das langfristig immer mehr Effekt, als wenn man einfach losgaloppiert.

Ja, kennen wir tatsächlich auch nur zu gut. Oftmals hat man dann doch den Wunschgedanken, nachdem es dann irgendwie losgeht und vielleicht hat es auch einfach eine Zeit gedauert, bis man sich geeinigt hat und dann will man losstarten, aber oftmals ist es dann doch noch mal der Atemzug, den man irgendwie nimmt und nochmal diese Zusammenarbeit auch sauber vorbereitet. Korrekt, korrekt.

Und ich bin da ganz pragmatisch, also mir reichen da drei Kriterien, wo wir sagen, ok, haben wir geliefert bekommen, was wir bestellt haben, ja/nein im richtigen Zeitraum, ja/nein, wieso gab es Verzögerungen und war das die Qualität, die ich mir gewünscht habe und dann muss man darüber sprechen, wieso, weshalb, warum, das vielleicht nicht so war. Seid ihr in dem Kontext auch immer die taktangebende Partei oder erlebst du auch wirklich, dass die Agenturen euch noch mal proaktiv auch vielleicht mal zwischen diesen Quarterlies

einbeziehen, wenn man merkt, wir laufen vielleicht in eine falsche Richtung oder sogar in eine sehr gute?

Nee, leider viel zu selten, also in dem Moment, wo der Vertrag unterschrieben ist, haben wir meistens schon wieder vergessen, da würde ich mir auch manchmal mehr Einbindungen wünschen. Also natürlich jetzt nicht für jede, ja, einfach nicht jedes kleine Projekt, aber gerade in großen komplexen Projekten macht das sicher Sinn. Auch noch mal ein Feedback zu hören, nicht erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen

ist und wir mehr Stunden angesammelt haben, als beauftragt worden sind, sondern da einfach auch mal regelmäßig reinzuschauen und auch im Einkauf zu informieren, wie sieht es da überhaupt aus?

Können wir die Zahlen halten, können wir das Budget halten?

Auch das finde ich wieder ein sehr gutes Learning, das heißt, es besteht schon der Wunsch, einbezogen zu werden und man würde sich jetzt auch als Agentur nichts falsch machen, wenn man mal sagt, man nimmt euch mal wieder auf CC bei wichtigen Sachen oder man bereitet mal zwischendrin auch was wirklich vor, um ein bisschen Eil zu haben. Ja, das wäre toll, wir müssen ja auch immer wieder das Feedback bekommen, ob die Planung, die das Budget angeht, ob die Stunden, die wir da vielleicht drauf geplant haben oder

runter verhandelt haben, ob das alles realistisch so aufgeht oder ob wir dann doch wieder anpassen müssten. Super gut, wir sind schon wieder von der Zeit her sehr fortgeschritten, ich hätte noch 10.000 Rückfragen, aber vielleicht nehmen wir uns da auch irgendwie nochmal Zeit in einem zweiten Gespräch, wir haben noch einen kleinen Special Part, ich glaube, es waren jetzt schon wirklich sehr viele schöne konkrete Themen auch mit dabei, ich habe hier kurze

Fragen oder Sätze vorbereitet und ich würde mich freuen, wenn du die Sätze einfach vervollständigst, ich glaube, es gab keine Vorwarnung im Vorgespräch, deswegen, nehmen wir Zeit, mal schauen, was dabei drum kommt, vielleicht ist es auch einfach nur noch mal eine schöne Zusammenfassung von heute. Wenn der Einkauf wird zum Problem, wenn?

Wenn er zu spät eingebunden wird, wenn er nur als Firefighter verstanden wird, der irgendwie den letzten Cent noch irgendwo rausquetschen soll. Agenturen verlieren Vertrauen in den Einkauf, wenn?

Wenn die Transparenz fehlt auf beiden Seiten, also sowohl der Einkauf muss kommunizieren, dass seine Rolle und seine Funktion ist und sein Ziel ist, aber auch Agenturen sollten keine Scheu davor haben, transparent zu sein, was ihre Kosten angeht und ja, was ihre Strukturen angeht und auch die eigenen Ziele angeht. Super gut, ein bisschen umgedrehte Frage, eine gute Zusammenarbeit der beiden Parteien entsteht, wenn?

Wenn wir beide die gleiche Sprache sprechen und ein gleiches Verständnis von Business haben, von Geschäft haben und langfristiger Zusammenarbeit. Letzte Frage, Pricing Power der Agenturen, also im Grunde die Kontrolle auch über die eigenen Preise entsteht, wenn?

Wenn ich meine Hausaufgaben gemacht habe und den Markt kenne, das Marktumfeld kenne und meinen eigenen Wertbeitrag kenne. Cool, super cool, vielen, vielen Dank. Ich habe eigentlich nur noch eine Abschlussfrage jetzt an dich. Stell dir vor, du würdest morgen wieder von der jetzigen Einkaufsseite wieder auf die Agenturseite wechseln.

Was würdest du in der Agentur im Umgang mit dem Einkauf als erstes grundlegend verändern?

Ich würde meine Newbiz Strategie entsprechend anpassen und schauen, dass ich in Outreach und Kontakte zu strategischen Einkäufern in den großen Wunschkundenunternehmen bekomme. Wunderbar, jetzt ist es wahrscheinlich ein zweischneidiges Schwert, je nachdem wie viele Leute bis zum Ende drangeblieben sind, wie sich es jetzt mit den Postfächern verhält die nächsten Wochen nicht mal, aber ein sehr schöner Abschluss, dem ist wenig hinzuzufügen und ehrlich gesagt, wir sind leider schon am Ende angekommen.

Ich sage 1000 Dank, Jeanette, das war super cool, vor allem weil wir sehr oft auch aus der Agenturwelt sprechen oder mit anderen Agenturinhabern und Inhaberinnen sprechen und das war jetzt mal so ein Blick auf die ganz andere Seite und im Grunde ist es ja aber doch gar nicht so weit entfernt bzw. ich glaube, man kann sehr viel machen, damit die andere Seite nicht so weit entfernt ist und dass man sich eher näher beieinander trifft, also ich glaube, da war heute sehr viel Schönes dabei, was auch nochmal gezeigt hat, wie das gegenseitige Interesse

ist. Deswegen 1000 Dank für deine Zeit, für die ganzen Insights. Ich danke dir und vielleicht noch, Entschuldigung, dass ich noch mal reingräte, aber ein kleiner Abschluss, eine kleine Abschlussmessage an die Agenturen selbst, wenn das Unternehmen oder der Kunde keinen sehr reifen Einkauf hat, keine sehr erfahrene strategische Marketing-Einkäufer dort sitzen hat, nehmt euch ruhig die Zeit und investiert die paar Minuten und bringt

dem Einkäufer in dem Unternehmen gerne mal das ein oder andere Gespräch mit Mehrwert und Education-Aspekt mit rein, die wissen das sehr zu schätzen, das ist ja kein Thema, mit dem sich ein Einkäufer vielleicht tagtäglich beschäftigt, der alles im Blick haben muss, also die freuen sich schon sehr, auch fernab das reinen Verkaufens, Informationen aus dem Bereich Marketing und Agenturleben zu bekommen, also da kann ich nur alle Agenturen ermutigen, das mal zu versuchen.

Ein noch besserer Abschluss, ich sehe schon, ich muss meine Rückfrage irgendwie zurückstellen, jetzt mal auf eine zweite Runde, deswegen lieben, lieben Dank, das war spannend und auch nochmal glaube ich ein ganz cooler Aufruf jetzt einfach noch an unsere Zuhörerinnen, die mit sprechen. Natürlich auch Danke an alle fürs Zuhören, wenn euch gefällt, was wir hier machen, abonniert uns, denkt dran, die Glocke zu aktivieren bei Spotify und Co., wir freuen uns riesig über Kommentare, Rückfragen, gerne auch über LinkedIn und wenn ihr Gastempfehlungen

habt oder vielleicht nochmal Fragen auch an Jeanette habt, wir leiten sie gerne weiter, könnt ihr euch jederzeit bei uns melden, ansonsten einen wunderschönen Tag und nochmal Jeanette, lieben Dank für deine Zeit und deine ganzen spannenden Insights. Sehr gerne. Ich danke. Ciao.

Auch auf
Datum 10 Apr. 2026
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