25 Jahre Agenturleben – was wir von den „Boomern“ lernen können!
Unser Gast Harri Paquin, Geschäftsführer der Eventagentur REALIZE, blickt mit uns auf ein Vierteljahrhundert in der Agenturwelt zurück. In dieser Episode sprechen Regina und Jona mit ihm über Fehler, Wendepunkte und Erfolgsfaktoren auf dem Weg zu 25 Jahren Beständigkeit.
Was hat sich verändert? Was bleibt entscheidend? Und wie gelingt nachhaltiger Agenturerfolg heute? Jetzt reinhören! 🎧
Die wenigsten Agenturen schaffen es, die ersten fünf Jahre zu überstehen. Zehn Jahre sind schon ein Erfolg. Und wer nach 25 Jahren noch am Markt ist, hat definitiv Geschichten zu erzählen. Heute sprechen wir mit jemandem, der genau das geschafft hat: Harri Paquin, Gründer und Geschäftsführer der Eventagentur REALIZE und bereits zum zweiten Mal hier bei uns im Podcast. In diesem Jahr feiert seine Agentur ihr 25-jähriges Jubiläum. Wir wollen wissen: Was braucht es, um als Agentur nicht nur zu bestehen, sondern über die Jahrzehnte hinweg erfolgreich zu bleiben? Welche Fehler musste Harri dafür machen? Welche Krisen durchstehen? Und was hat sich in all den Jahren in der Branche verändert?
Kurz gesagt: Was können wir von den Boomern unter den Agenturen lernen? Viel Spaß beim Zuhören!
An dieser Stelle möchten wir euch verraten, worum es uns und unserem Partner Teamleader in diesem Podcast überhaupt geht. Wir laden zu jeder Folge spannende Persönlichkeiten aus der Agenturszene ein. Mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen möchten wir Inspiration und Motivation schaffen, am Puls der Zeit für die Agenturwelt. Und genau dort setzt Teamleader mit seiner leistungsstarken Agentur-Software an. Diese hilft bereits über 4.000 Agenturen dabei, Terminfristen einzuhalten, Budgets zu kontrollieren, Gewinnmargen zu steigern, Kapazitäten zu planen und vieles mehr. Damit ihr euch voll und ganz auf eure Kreativität konzentrieren könnt. Von Agenturen für Agenturen. Und los geht’s mit unserer heutigen Folge.
Herzlich willkommen zurück bei Agency Life Deutschland by Teamleader. Wir dürfen heute einen coolen Gast begrüßen. Hi Harri.
Servus, freut mich.
Vielleicht ein kleiner Disclaimer: Harri hat 30 Minuten lang einen Parkplatz gesucht. Deswegen hoffentlich bleibt die Stimmung heute trotzdem positiv.
Ich bin immer positiv, wenn ich irgendwo hin kann. In einem Agenturgeschäft wird man so getrimmt.
Wir dürfen dir ja zum Jubiläum mit der Agentur gratulieren und wollen da heute ein bisschen drüber sprechen. Deswegen gleich mal eine Einstiegsfrage: Was war härter, die erste Hälfte oder die zweite Hälfte von euren 25 Jahren?
Da gibt’s keine Steigerung aus meiner Sicht, sondern es wird immer so weitergehen. Also jeder, der im Agenturgeschäft unterwegs ist, wird feststellen, dass für sich alles immer ein spannender Weg ist. Also von der Seite vielleicht ein kleines Stückchen die erste Hälfte, um einfach die Marktetablierung zu schaffen und einfach diesen ersten besagten Schritt zu machen, die Marke zu positionieren. Ansonsten, glaube ich, die üblichen Herausforderungen haben sich nicht groß verändert.
Dann lass uns doch gleich mal bei der ersten Hälfte bleiben. Wenn du nochmal auf die Anfangszeit zurückschaust, was würdest du sagen, was waren so deine drei größten Fehler, die du gemacht hast in den ersten Jahren?
Ja, Fehler waren es wahrscheinlich nicht nur drei, sondern deutlich mehr. Und vielleicht vorweg: Das ist eines der Punkte, glaube ich, die mich persönlich sehr vorangebracht haben, das Lernen aus den Fehlern. Also die Fehler zu akzeptieren und daraus irgendwo eine Kehrtwende zu machen, um dann in die andere Richtung zu gehen. Die drei größten Fehler: Ich glaube, dass ein Thema immer wieder neue Produkte zu generieren, bevor man ein Produkt noch nicht fertig hat. Also das heißt, auch in unserer Dienstleistungsthematik vielleicht zu sagen: Hey, bleib erstmal bei deinen Kernthemen und geh das etappenweise. Das Etappenweise ist vielleicht schon auch eines meiner oder unserer großen Erfolgsfaktoren, dass wir immer schrittweise, also stufenweise vorangegangen sind. Aber manchmal will man doch zu viel, gerade als Eigentümer und Inhaber. Das würde ich vielleicht ein bisschen anders machen.
Auch das Gleiche vielleicht auf der Mitarbeiterebene. Das ist extrem wichtig, diese Unternehmenskultur oder jetzt gerade Agenturkultur so zu verankern. Dieses Miteinander, das war immer ein Ziel. Aber ich glaube, man hätte da noch ein bisschen detaillierter anfangen können, um gleich ein Erfolgsteam, ein Talentteam aufzubauen.
Und das dritte Thema würde ich vielleicht die Unterschätzung des Marktes nennen, wo man doch immer sehr dranbleiben muss und man einfach mit anderen Themen, die zwei vorher vielleicht auch, neuen Produkten so beschäftigt ist, dass man einfach merkt: Hoppala, der Markt hat sich verändert. Ich musste mich wirklich anpassen und muss dranbleiben.
Du hast jetzt, glaube ich, mit den drei Fehlern auch so ein paar Felder schon aufgerissen. Wir wollen ja auch heute mit dir so ein bisschen in die Veränderung reingehen und uns auch anschauen, was hat sich verändert, und das aber auch aus verschiedenen Blickwinkeln und Perspektiven. Vielleicht können wir mal nach innen anfangen, weil wir haben ja mit dir schon einen guten Zeitzeugen, wenn ich das so sagen darf. Agenturen hatten ja früher, man muss auch ganz fair sagen, wir beide sind ja eher jetzt auch vom neueren Part, sage ich mal, aber früher hatten Agenturen ja diesen härteren Ruf. Und heute ist ja auch Work-Life-Balance immer wieder ein Keypoint. Wie würdest du denn sagen, hat sich so die Mitarbeitererwartung auch an Agenturen verändert, wenn du an den Start denkst und jetzt an heute denkst?
Der Wandel ist wirklich einer der krassesten Wandeln, würde ich sagen, in unserer Branche. Ich hatte es ja gesagt, einer der Values ist wirklich die Agentur, das Mindset in der Agentur. Und da war das eine meiner größten Herausforderungen, mich darauf anzupassen. Ich glaube, der Markt hat sich nicht so schnell verändert wie das Mitarbeitermindset. Und das ist tatsächlich eine sehr spannende Herausforderung. Gut, dass ich Kinder habe, so by the way. Die haben mir wirklich geholfen, auf diesem Weg stärker mitzugehen und dieses Verständnis auch zu schaffen, weil am Schluss muss man authentisch bleiben. Wenn du irgendwas veränderst, ohne dahinterzustehen, das merken die Mitarbeiter sofort. Und da ist es super schwierig.
Und das ist auch eine große Herausforderung, weil ich glaube, dass die Leute einfach nicht so einfach sind. Also ich finde es super schwierig, einfach diese Agenturkultur aufzubauen. Früher waren Überstunden normal. Das war ein Teil, ein Must-have. Also der Kunde hat uns einen Auftrag gegeben und wir sind losgerannt. Und dann über Wochenenden, Abendarbeit, 16 Stunden on-site, ganz normal. Das ist heute in einer gewissen Form auch noch so. Aber natürlich haben wir ein ganz anderes Motivationssystem geschaffen, sodass wir diese Work-Life-Balance wirklich erzielen können. Die Überstunden werden ausgeglichen, Wochenendarbeit, wir haben einen Wellness-Tag eingeführt. Also ich werde jetzt gar nicht in die Details gehen, aber tatsächlich ist dieser Wandel gravierend. Auch spannend. Und es ist toll, dass es heute noch, und das finde ich auch gut, dass es gefordert wird, dass wir heute in einem Kontext arbeiten, dass wir trotzdem profitabel sind und die Mitarbeiter glücklich.
Das beschreibt es ganz schön, glaube ich. Aber gerne weiter. Da vielleicht an der Stelle würde mich interessieren: Was bedeutet denn für dich Work-Life-Balance? Hat sich das vielleicht auch verändert? Wie hast du in der Anfangszeit Work-Life-Balance gelebt? Ist dir das überhaupt gelungen? Du hast gesagt, du hast auch Kinder. Wie ist dir das gelungen, so Agentur und Familie unter einen Hut zu bringen? Hat es da auch manchmal gekracht?
Scheiße, ich wäre so gerne in der heutigen Zeit gestartet. Also Katastrophe. Wirklich. Also eigentlich voll Katastrophe. Wenn ich die Zeit zurückdrehen würde, würde ich sie gerne zurückdrehen. Und gerade, als die Kinder klein waren, war ich 16 Stunden in der Agentur und habe nur vorangebracht. Ich habe versucht, die Positionierung am Markt und jedes Detail halt einfach von den Finanzen über das Marketing, man hat eigentlich nur noch geschuftet und hat vergessen: Hey, da gibt es was nebenbei noch. Und das ist heute eigentlich selbstverständlich. Und ich finde es super, der Staat sorgt dafür, auch die Unternehmenskulturen haben sich verändert dafür. Also das heißt, die Führungsteams.
Ja, das fehlt mir wirklich. Das würde ich sehr gerne zurückdrehen. Aber von der Seite habe ich, glaube ich, ein bisschen nachgeholt. Ich habe einiges ... wir haben eine tolle Familie und ich schätze meine Kinder sehr, und umgekehrt, glaube ich. Das haben wir ein bisschen nachholen können. Aber trotzdem kann ich jedem nur raten: Die Agentur ist nicht alles. Der Unternehmenserfolg ist nicht alles. Vielleicht macht man mal fünf Prozent weniger Profit, aber am Schluss muss man dann wirklich nach innen hören.
Und wenn man sich dann nur komplett aufackert und auch der, übrigens, das ist ein ganz wichtiger Punkt noch, die Erwartungshaltung der Kunden ist auch eine andere. Der Druck ist nicht anders wie früher, nur man kann es sich deutlich besser erklären. Auch der Kunde akzeptiert einen Step zurück. Und das ist vielleicht noch ein ganz wichtiger Punkt für alle da draußen. Kommuniziert es. Und lasst euch nicht nur unter Druck setzen von dem Kunden, sondern reflektiert es. Der Kunde versteht es. Er versteht es heute anders wie früher.
Ja, cool. Auf die Kundenseite wollen wir später auch nochmal detailliert schauen. Ich würde nochmal gerne da ansetzen, wo du gerade gesagt hast: Du warst ja auch wahrscheinlich tendenziell One-Man-Show beziehungsweise Generalist am Anfang. Du hast ja gerade gesagt, von Finanzen über eigene Positionierung, Vermarktung und so weiter. Vielleicht da mal die Frage: Wenn du eine Stelle am Anfang direkt einstellen könntest, von Buchhaltung über die unterschiedlichen Bereiche, wo würdest du sagen, da ist der größte Hebel, um als Gründer auch sich Freiraum zu schaffen für die wirklich wichtigen Dinge in Anführungszeichen?
Das kommt natürlich auf die Persönlichkeit drauf an eines jeden Unternehmers. Also meine wäre jetzt, ich bin relativ vertriebsstark und habe eine kreative Grundhaltung für Themen. Also bei mir wäre es die operative, wirklich die Fachkraft. Und ich würde wahrscheinlich, es kommt jetzt darauf an, wenn ich jetzt mehr der Operative bin, wenig kreativ bin ... also ich glaube, ich würde bei mir anfangen, an die Analyse von meinen Fähigkeiten, meinen Talenten. Und bräuchte dann die Adaption sozusagen zu meinem Kontext. Grundsätzlich, glaube ich, sind es wirklich die Talente in der operativen Umsetzung, auf die man sich hundertprozentig verlassen kann.
Hat sich da was für dich verändert? Was macht einen guten Mitarbeiter für dich aus? Was war früher ein guter Mitarbeiter und was bedeutet das für dich heute?
Also ich glaube, der Mitarbeiter hat sich, also von meiner Erwartungshaltung oder von dem Gedanken, wir miteinander, hat sich eigentlich nicht verändert. Ich hatte von vornherein immer den Gedanken, dass wir das Miteinander erschaffen müssen. Es hat keinen Sinn, selbst wenn du nur zu zweit bist und ich stelle mich immer vor den Mitarbeiter. Das Wort, was ich gerade verwendet habe, Verantwortung übergeben, zur Eigenverantwortung. Das ist, glaube ich, mein persönliches Geheimnis, was ich versucht habe immer zu leben. Kann nicht jeder Mitarbeiter, aber man kann sich auf dem Weg begleiten dafür. Und wenn es nicht funktioniert, dann muss man schauen, wie man da eine Lösung findet. Vielleicht gibt es eine Nische, in der man sie setzen kann.
Aber grundsätzlich leben wir gerade im Eventgeschäft davon, wir sind permanent bei dem Kunden, bei den Projekten draußen, es ist super entscheidend, dass die Mitarbeiter selber laufen können. Meine Erfahrung, so ein bisschen auch der Wandel von einer kleineren Konstellation zu einer größeren, war genau dieser Erfolgsfaktor, indem man einfach wirklich die Verantwortung überträgt. Wenn ich das nicht tue, werde ich nicht wachsen können. Die Mitarbeiter wachsen mit der Verantwortung.
Jetzt hast du gerade den Eventaspekt ja auch angerissen. Also wir haben es im Intro ja kurz vorgestellt und nachdem unsere Zeit hier begrenzt ist, wollen wir auch so ein bisschen auf die zweite Hälfte von euch als Unternehmen eingehen. Und ich denke, da ist der Begriff Corona nicht wegzudenken. Und auch das gehört zu eurer Erfolgsgeschichte. Wie habt ihr das überlebt, ganz ehrlich?
Also ich glaube, vielleicht Corona, ich will es nicht als einen großen Wendepunkt setzen, sondern ich glaube, die Anpassungsfähigkeit im Agenturbereich ist eine der mitgrößten Herausforderungen generell. Wir haben immer wieder Marktveränderungen, das hatte ich auch eingangs gesagt, wo wir schnell reagieren müssen. Und es ist plötzlich so, dass Budgets weg sind, Projekte storniert werden, weil eine Branche nicht mehr floriert. Immobilienkrise, keine Ahnung. Also nehmen wir als Beispiel 2001, wissen wir auch, da hat es auch gecrasht in jeglicher Hinsicht. So hatten wir immer diese Anpassungen.
Ich glaube, diese Flexibilität und diesen Mindset in einem Agenturumfeld, da will ich jedem nichts vorlügen, das ist permanent so. Corona war natürlich nochmal ein krasser, das war ein richtiger Cut, weil von heute auf morgen gar nichts mehr ging. Ich habe witzigerweise es gar nicht so negativ, wenn ich jetzt heute dran denke. Wir hatten, und das ist vielleicht auch eine große Empfehlung, stabile Kunden zu haben, lange Verbindungen. Die haben uns wirklich in Corona mitgetragen. Sie haben eine faire Rückabwicklung in Corona mit uns gemacht. Aber es lag zu hundertprozentig daran, dass wir wirklich eine starke Bindung zu unseren Kunden hatten.
Und dann schnell umschalten, natürlich wieder das Thema Anpassungsfähigkeit in die digitale Welt. Wir hatten unser erstes hybrides Event schon 2012 mit einem großen Kunden, für den wir das kreieren durften. Und dann sind wir sehr schnell in die digitale Welt mit einem eigenen Portal.
Ich glaube, an der Stelle darf man auch sagen, das Thema Digitalisierung, was habt ihr gemacht? Da haben wir ja schon mal drüber gesprochen, weil du bist ja nicht das erste Mal bei uns im Podcast. Deswegen, ich glaube, es war Episode 7, wo du bei uns warst. Deswegen hier vielleicht auch die Empfehlung, dann sparen wir uns in Anführungszeichen so ein bisschen den Deep Dive hier rein. Aber in Episode 7 gibst du ja auch nochmal so ein bisschen den Einblick in die Richtung.
Ja.
Lass uns nochmal kurz auf die Formate schauen. Also geht natürlich damit einher mit der Digitalisierung. Was waren denn, würdest du sagen, so kurzfristige Anpassungen, die nötig waren während der Corona-Zeit? Und was ist dann auch wirklich geblieben? Also wie hat sich euer Angebot, wie haben sich eure Eventformate verändert seither?
Ja, die Entwicklung, ganz kurz zusammengefasst, ist wirklich total faszinierend, weil anfangs alle auf digital, hundertprozentig. Dann ist man so leicht in einen hybriden Faktor übergegangen, der dann ganz schnell wieder in 100 Prozent live übergegangen ist. Und diese Sucht, muss man schon fast sagen, von uns Menschen nach emotionaler Nähe ist faszinierend gewesen. Und das war für mich eines der faszinierendsten Erlebnisse, selbst wieder auf den Events dabei zu sein und Top-Manager sich in den Arm fallen zu sehen, die glücklich waren, dass sie sich endlich wieder persönlich unterhalten durften. Also das ist so mal am Rand. Also wirklich eine ganz krasse Erfahrung gewesen. Und von der Seite ist die Antwort darauf: Ja, wir haben noch hybride Formate, wir haben fast keine digitalen Formate mehr, also 100 Prozent digital, sondern es ist einfach eine Mischung geworden. Wobei die Mischung auch sehr stark abnimmt und die Tendenz, weil auch Kosten dahinterstehen, natürlich ist ein Live-Event weniger kostenintensiv als ein hybrides Event.
Und das ist schon mal die Antwort, weil wir sitzen heute, weil wir wissen, in unserer Marktlage, es sind Budgets, werden immer spannender, herausfordernder. Und von der Seite gibt es bei mir ganz klar eine Tendenz Richtung live und die hybriden Varianten werden dann genutzt, um einfach nochmal die Reichweite zu erhöhen.
Ich glaube, das greift jetzt auch den Punkt Kundenbedürfnisse zum Status quo jetzt nochmal auf. Weil bei Corona hatten wir ja voll den Shift, aber auch notgedrungen eben zu digital. Kannst du uns da mal so ein Bild der aktuellen Landschaft einfach zeichnen? Wo steht ihr jetzt gerade und wo stehen auch die Kunden? Was ist gerade so der Status quo?
Also den Wandel der Kunden würde ich gerne da drauf eingehen vielleicht zuerst. Und wo wir stehen. Weil tatsächlich orientieren wir uns ja da sehr stark an den Kunden. Das ist ja der Ausgangspunkt als Dienstleister. Der Kunde hat sich, glaube ich, in den letzten 25 Jahren extrem gewandelt. Wir sind anfangs von den Fachabteilungen beauftragt worden. Dann wurde irgendwann der Einkauf viel stärker und wir wurden kontrolliert. Es waren die Pitches, die plötzlich dann rauskamen. Die Pitches haben sich kannibalisiert, wo wir von größeren Konzernen in zehn, 15 Agenturen eingeladen worden sind, die indiskutabel sind, ohne Frage. Und es hat sich heute vielmehr wieder ein bisschen auf Augenhöhe entwickelt, wobei der Einkauf immer noch eine wichtige Rolle spielt. Also die Balance ist da. Ich will das jetzt nicht als perfekt setzen, sondern ich sehe aber immer mehr Wertschätzung auch von Kundenseite. Und das ist eine Entwicklung, die ich jetzt auch nach vorne, wenn ich nach vorne schaue, positiv sehe. Dieses Verständnis für Work-Life, für Überstunden, für das Herangehen der Agenturen, auch mal Rahmenvereinbarungen mit zu vereinbaren, dass man eine Agentur jetzt mal für drei Jahre hat. Und der Kunde sich selbst, das ist ja ein Aufwand auch, immer wieder neu pitchen zu müssen. Eine Stabilität im Verständnis miteinander. Und das ist tatsächlich auch eine unserer Stärken, als Lead-Agentur hier zu agieren. Also das ist was, den Wandel hier auf der Kundenseite, wenn ich das betrachte, sehe ich sehr positiv, auch nach vorne geschaut.
Von unserer Seite ist das Ganze eigentlich sehr stabil. Das heißt, Corona hat uns sehr viel, sag ich mal, auch negative Aspekte gebracht. Also dass auch dieses Wir und Zusammen, das Teamgefüge, für das wir sehr viel auch tun, wo wir sehr viele Teamaktivitäten auch machen, dass wir da dieses Zusammengehörigkeitsgefühl platzieren und aus dem heraus ergibt sich die Energie, die wir brauchen, um coole Events auf die Beine zu stellen und umzusetzen entsprechend. Also ich sehe da jetzt den Wandel innerhalb unserer Agentur aktuell sehr stabil und gar nicht so, dass da eine große Veränderung da ist. Der Mindset, also die Veränderung hat schon stattgefunden. Wir stehen vor ganz anderen neuen Herausforderungen der Technologie.
Du hast jetzt gesagt, du hast eine sehr schöne Entwicklung auch gezeigt in Bezug auf die Kundenwertschätzung, die ihr bekommt, das Verständnis auch. Gibt es auch Herausforderungen, also wo ihr merkt, Kunden sind vielleicht anspruchsvoller geworden? Oder du hast vorher das Stichwort Budgets genannt, dass es mit Budgets auch herausfordernder wird?
Ich glaube, die Fokussierung auf die Kunden ist ein Stichwort, das extrem wichtig ist oder vielleicht auch ein Thema, was ich gerade in den letzten Jahren stärker noch angegangen bin, wobei es immer ein Thema war. Das heißt, es gibt nicht immer den perfekten Kunden. Und es gibt auch nicht jeder Kunde vielleicht, der zu jeder Agentur passt. Und das muss man einfach akzeptieren. Ich glaube, hinter jedem Pitch oder hinter jedem möglichen Auftrag hinterher zu hecheln, macht überhaupt keinen Sinn. Sondern such dir den Kunden aus, der zu dir passt. Und das versuche ich sehr stark, gerade in der Nach-Corona-Zeit, im Team auch nochmal voranzutreiben. Das ergibt mehr diese Win-win-Situation, auf die wir raus müssen und sollten, weil das dem Team mehr Spaß macht. Du siehst, der Kunde reflektiert da ganz klar in einer Wertschätzung und führt dann eigentlich zu guten Ergebnissen.
Es klingt alles super, super positiv. Wir wollen aber trotzdem nochmal so ein bisschen in diese Downsides auch reingehen. Gab es denn einmal diesen oder vielleicht auch mehrfach diesen Punkt, wo du wirklich komplett am Ende warst und dir dachtest, ich muss alles hinschmeißen?
Mehrfach. Mehrfach. Und das ist tatsächlich die ... wir sind jetzt kein ... also ich fange jetzt mal bei den Finanzen an. Das ist tatsächlich dieses Damoklesschwert, was man immer mit sich trägt. Und es ist sehr schwierig, Finanzen zu stabilisieren, weil wir Projekte haben, die ressourcenübergreifend sind. Es sind Abgrenzungen da. Du versuchst, die Zahlen dir zu analysieren. Also das Controlling ist entscheidend und je tiefer ich über die Jahre in die Zahlen eingetaucht bin, desto sicherer wurde ich so ein bisschen, dass man eine Zielrichtung bekommt und an der festhalten kann. Also deswegen, ich würde sagen, ja, schafft euch eine Kontrolle, einen guten Forecast, weil das ist immer ein Damoklesschwert, an dem man hängt. Gerade wenn es doch die Margen oder auch die hohen Raten ... es ist immer im Verhältnis sehr kleinteilig, was wir produzieren. Wir haben keine Produkte, wir haben Dienstleistung. Und da ein sicheres Gefühl zu haben, da bin ich schon teilweise sehr schlaflos. Also schlaflose Nächte, die ich hinter mir habe, wo man sagt: Wie stemme ich das Ganze noch? Wie kriege ich das Ganze hin? Also ich bin ein sehr konservativ denkender Mensch, hier Reserven zu halten, Rücklagen, sodass ich auch mal ein paar Monate locker überstehe. Das ist jetzt meine Empfehlung, die mir ein bisschen geholfen haben.
Ansonsten hilft einfach dieses Mindset: Es gibt immer eine Lösung. Egal wie nervig zum Beispiel auch, und das wäre ein zweites Thema, auch wenn ein Kunde problematisch ist. Wir haben Kunden schon gehabt, die gegen uns gearbeitet haben. Die wollten einfach nicht mit uns zusammenarbeiten, weil vielleicht der Chef gesagt hat: So, jetzt auf geht’s, die nehmen wir, die Agentur, die haben tolle Ideen. Aber wenn jemand dagegen arbeitet, hast du keine Chance, du läufst in eine Sackgasse. Also das sind Herausforderungen, wo dann auch mal Nein zu sagen und auf den Tisch zu hauen und klar zu kommunizieren: So kommen wir nicht weiter, weil wir brauchen eine Lösung. Und das ist unser Ziel. Wir haben nämlich nur diesen einen Moment, das ist der Live-Moment. Und wenn wir da nicht performen, also beide Seiten, das ist nicht nur die Agentur, dann haben wir ein richtiges Problem. Und das zu überwinden, die Ehrlichkeit und die Authentizität zu haben, auch da wirklich offen drüber zu sprechen, das war auch ein Weg. Also Herausforderungen, hier solche Situationen zu überstehen. Aber immer mit der Lösungsorientiertheit dahinter.
Du hast jetzt super schön gesagt, das Mindset hat dir geholfen, dass es immer eine Lösung gibt, also gerade auch in so schlaflosen Nächten. Gibt es noch irgendwelche anderen Ressourcen oder Learnings, die du in so schwierigen Momenten gewonnen hast, die du weitergeben möchtest an vielleicht Gründer, Agenturmanager, die gerade in der Krise stecken und kurz davor sind, alles hinzuschmeißen?
Ja, also irgendwie geht es immer weiter. Und man muss natürlich ganz ehrlich sein, wenn du wirklich in der Krise bist, dann musst du die Kostenseite anschauen und dann an der Kostenschraube drehen. Das tue ich heute noch. Es ist so, man schleppt so viele Bausteine mit sich rum. Und nur wenn du deine Kosten im Detail kennst, kannst du dich auch sozusagen aus dieser Krise wieder wenden. Das geht bis zu: Entledige dich von Mitarbeitern, die nicht hundertprozentig an deiner Seite sind. Also wir brauchen unsere Talente, wir brauchen auch dieses Verständnis für Miteinander. Es ist nicht nur top down, dass der Geschäftsführer immer sagt: So geht es lang. Nein, wir brauchen das Miteinander. Und wir brauchen auch Mitarbeiter, die brennen für die Agentur, für den Weg. Und von der Seite sage ich: Ja, dann muss man auch sich trennen. Also wirklich ganz offen. Und einen Weg gehen.
Und das sind die Kosten, oder das, was du gerade angesprochen hast, worunter man ja doch am meisten leidet, finanziell meine ich damit.
Danke für die Insights auf jeden Fall an der Stelle. Ich hätte noch jede Menge Rückfragen, aber wir müssen leider so langsam zum Ende kommen. Deswegen wäre unsere letzte Frage an dich: Wenn du jetzt nochmal ganz neu eine Eventagentur gründen würdest, was würdest du komplett anders machen als damals?
Was würde ich anders machen? Ich würde mir mehr Zeit nehmen im Talentsuchen. Ich würde noch langsamer wachsen. Also wirklich die Zeit, dass man sich einfach nimmt, eine sehr gute Positionierung zu vollziehen und sich nicht nur vom Markt steuern lässt, sondern zuerst selber das Steuerrad in die Hand nimmt. Das passiert immer automatisch im Agenturenfeld, glaube ich. Also das ist jetzt keine Kritik groß, aber das ist einfach: Selber das Steuerrad in die Hand nehmen. Diese schrittweise Entwicklung Stück für Stück ganz bewusst sich auch aufzuschreiben. Damals naiv einfach losgelaufen. Ja, naja, wie das halt so ist: Gründe mal schnell eine Agentur und dann geh mal irgendwo. Sondern sich das wirklich aufzuschreiben. Einen klaren Plan dahinter zu haben, der natürlich immer wieder über den Haufen geworfen wird, aber den immer regelmäßig zu kontrollieren. Das würde ich vielleicht ein bisschen strukturierter angehen.
Aber es ist ganz schön, dass du einen Ticken länger überlegt hast, weil ich meine, 25 Jahre ist ein sehr, sehr schönes Zwischenfazit, Zwischenergebnis. Regina hat es leider schon gesagt, ich meine, wir versuchen ja immer irgendwie die Zeit zu begrenzen. Ich glaube, wir können wirklich noch ewig weiterreden, obwohl es Episode 2 ist schon gemeinsam. Trotzdem würde ich das Ende langsam anpeilen. In diesem Sinne tausend, tausend Dank, dass du da die Inhalte mit uns so geteilt hast und auch mal ein bisschen auf die persönliche Seite gewechselt bist. Ist auch nicht selbstverständlich. Hat aber, glaube ich, einen riesen Mehrwert. Sowohl für uns, als auch hoffentlich für die Zuhörer, Zuhörerinnen da draußen. Dementsprechend danke dir, Harri, dass du da warst.
Und eben klassisch auch danke an die Zuhörer und Zuhörerinnen. Wenn euch gefällt, was wir tun, ihr kennt’s, dann abonniert uns sehr gerne. Gebt uns auch gerne eine Bewertung ab auf dem Streaming-Kanal eurer Wahl. Und ansonsten freuen wir uns, euch bald wieder begrüßen zu dürfen.
Vielen Dank, dass ich dabei sein durfte. Hat Spaß gemacht mit euch.
Dankeschön. Ciao.
Ciao. Ciao. Ciao.